„Smalltalk lauert überall.“ Die Politologin und Bestseller-Autorin Juliane Marie Schreiber ...

Shownotes

Host: Stefan Börnchen Redaktion: Stefan Börnchen und Carolyn Knaup Produktion: Carolyn Knaup

Juliane Marie Schreiber

Wir sind Dynamit

Ich möchte lieber nicht

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00:00:00: Ich bin trotzdem ein ganz großer Fan des geschriebenen Wortes, weil ich auch glaube dass die viele innen Menschen ihre Gedanken besser zu Papier bringen können als erst mal mündlich zu sprechen.

00:00:09: Ich muss lachen weil ich sitze hier mit ganz ganz viel Papier und weil ich einfach auch mit dem Freisprechen... also viele in den Menschen haben damit eher zu tun glaub' ich Und das gesprochene Wort wird ja gerade sehr, sehr stark gepämpert von allen Seiten und das geschrieben ein bisschen abgeschafft.

00:00:26: Da würde ich gerne nochmal eine Landshöfe brechen, dass das geschriebenen Wort unbedingt bleiben muss.

00:00:39: AI – alles interessant!

00:00:42: Ich bin Stefan Wörnchen.

00:00:43: in meinem Podcast treffe ich Menschen auf die ich neugierig bin weil sie etwas zu erzählen haben überraschend unterhaltsam spannend und spinnend extrovertiert oder Innenmensch?

00:00:52: Und immer gut zu wissen für die nächste Stilpartie.

00:00:54: Menschen gemacht auf Spotify, Apple-Podcasts und wo es sonst Podcast gibt.

00:00:59: Mein Gast heute ist die Politologin Juliane Marie Schreiber.

00:01:02: Ihr erstes Buch von den USA heißt Bilder als Waffen – Die ikonische Ästhetisierung der neuen Kriege.

00:01:16: Das Buch stand in der Kategorie Sachbuch Paperback Wochen lang auf der Spiegelbestsellerliste und war drei Monate am Stück in der Sachbuchbestenliste von Zeit, Deutschlandfunk und ZDF.

00:01:28: Am Ende des Jahres war es als Sachbuch-Paperback einer der Jahresbesszeller.

00:01:33: Vor sechs Wochen ist wiederum bei Piper Juliana Marie Schreiber's jüngster Titel erschienen Wir sind Dynamit ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung.

00:01:43: Juliane ich freue mich dass du hier bist im Gespräch über dein Buch während es hoffentlich wieder auf die Bestsellerlisten

00:01:48: hoch

00:01:49: rauscht.

00:01:49: Wenn man den Klappentecks sich anschaut, findet man da so Worte wie Terror, Rebellion, Dynamit, Manifeste, radikaler Akt.

00:02:01: Das ist eine unglaublich

00:02:01: starke Sprache!

00:02:03: Wie kommt das und ist damit ein Anliegen verbunden?

00:02:09: Ähm... Also erst mal Danke für die Einladung.

00:02:11: Ich freue mich sehr hier zu sein.

00:02:14: Die Starkesprache ... Ich glaube, Rebellion und Terror kommt in einem anderen Buch vor.

00:02:22: Oder ist es auch in diesem Buch?

00:02:24: Ist auch in diesen Buch!

00:02:25: Genau, es

00:02:25: zieht

00:02:26: sich durch.

00:02:27: Dann würde ich sagen das ist tatsächlich der Umstand dass es um große gesellschaftliche Entwicklung geht.

00:02:35: erst mal und die Frage wie positioniert man sich dazu?

00:02:38: Und mir war wichtig, die Kraft das Ganze zu betonen und vor allem die Kraft der Innenwelt um die es mehr geht.

00:02:47: Weil ...

00:02:48: die immer so ein bisschen belächelt wird irgendwie.

00:02:50: ich hab dann immer das Gefühl introvertierte Menschen werden manchmal so ein bißchen belechelt als er ist gerade in seinem Kopf oder dass es irgendwie so n bisschen dass irgendwie was Niedliches oder was Süßliches.

00:03:02: Und das wollte ich brechen, ich wollte nicht ... Dass in irgendeiner Richtung geht auch, dass es schüchtern ist.

00:03:07: Ich wollte sagen ne, da ist eine Kraft und eine Potenzialität.

00:03:10: ein gewaltiges Innenleben ist eigentlich eine andere Form von potentieller Energie.

00:03:15: Deswegen auch der Titel mit dem Dynamit einfach um diese Kraft zu betonen.

00:03:21: Natürlich ist erst mal der Titl auch eine Anspielung an Nietzsche, an das Zitat Und das spielt an auf dieser Sprengkraft der Gedanken, wenn man so will und eben auf dieses Potenzial der Innenwelt.

00:03:36: Auf Gedanken die eine gewisse Spannung haben, eine gewissen Ladung – darauf wollte ich hinaus!

00:03:44: Vielleicht auch damit zusammenhängen, dass ich aus der Kriegsforschung komme.

00:03:47: Dass ich irgendwie betlicht denke und dann viel Metaphern oder Bilder benutzen in diese Richtung das Gefühl habe, das unterstreicht es gut.

00:03:57: Okay aber ich verstehe richtig, also der Gedanke der ist nur weil es um Innenmenschen geht und etwas Innen oder drinnen ist oder vielleicht nicht so sichtbar heißt das nicht?

00:04:09: Das was sich da innen verbirgt schwach ist oder dass da gar nichts ist oder so.

00:04:12: Das ist die Idee.

00:04:14: Innen ist eine Menge los, sogar explosiv.

00:04:18: Kannst du definieren was du unter diesem Begriff Innenmensch verstehst und warum du diesen Charakter oder Typus-Mensch so genannt hast?

00:04:30: von dem Begriff introvertiert wegkommen, weil damit so viele negative Konnotationen verbunden sind.

00:04:35: Wenn man das mal in Synonym-Rechnersucher eingibt, kommen sehr viele negative Begriffe.

00:04:42: Das ist erstaunlich!

00:04:43: Der kommt dann sofort verschlossen menschenfeindlich abweisend und ... Das fand ich spannend, es geht immer um ein Zumachen aber gar nicht um einen Öffnen in eine andere Richtung.

00:04:54: Deswegen habe ich gedacht, Innenmensch, Außenmensch ist eigentlich eine gute Kontrastart darüber zu sprechen, wenn man sagt, Innenmensch brauchen weniger Reize von außen weil sie ihre Energie mehr nach innen lenken zu den eigenen Ideen und Gedanken.

00:05:09: Und Außenmenschen brauchen mehr Reize vom Außen, weil Sie Ihre Energie eher nach außen lenken.

00:05:15: Und dieser grundsätzliche Gegensatz, denen wollte ich erst mal rausarbeiten.

00:05:23: Jetzt könnte man ja sagen, okay ist gut Sonne und Sonne-Menschen.

00:05:25: Die einen sind nach außenorientiert die anderen nach innen so what?

00:05:29: Aber du hast schon ein Anliegen.

00:05:32: also es nennt sich ja auch Plédoyer das Buch oder nie gar nicht mal

00:05:38: Manifest.

00:05:39: Manifeste Entschuldige bitte!

00:05:40: Also Manifests ist ja eigentlich noch stärker als Plädoyer.

00:05:43: was manifestierst Du da?

00:05:46: Es geht mir um Menschen, die geradezu wenig Gehör finden.

00:05:51: Und ich glaube das sind eine ganze Menge!

00:05:52: Also wenn du jetzt von einer Normalverteilungskurve ausgehst und irgendwo in der Mitte die Grenze ziehst dann sind es ja wirklich ein zwei Drittel bis die Hälfte der Menschen... ...die eher introvertiert sind.

00:06:06: Wir leben gerade in einer Zeit, die ganz stark die Extrovertierten belohnt weil wir einfach Gerade sehr stark auf extrovertierte Ausgerichtet sind.

00:06:14: Wir erleben eine ganz starke Extrovertisierung unserer Kultur, glaub ich.

00:06:20: In allen möglichen Lebensbereichen im Alltag in der Bildung und der Arbeitswelt immer mehr zählt die Auftritt, die Sichtbarkeit, diese Performance, die Darstellung von dem was man macht Und da gewinnt einfach der extrovertierte Mensch deutlich mehr.

00:06:38: Es kostet ihn ein bisschen weniger, es ist mehr natürlich für ihn und die introvertierten oder Indemenschen fallen da hinten runter.

00:06:47: Das geht auch darum später noch.

00:06:51: Das ist wirklich eine Dimension totaler Ungleichheit, die damit zusammenhängt, die überhaupt nicht beachtet wird im Moment – ich glaube das ist sehr relevant!

00:07:00: Also hast du einen Gerechtigkeitsanliegen?

00:07:03: Kann man das sagen, dass

00:07:04: du ... Ja.

00:07:05: Unter anderem ja auf jeden Fall.

00:07:08: Jetzt frag ich mich... Also du plädierst dafür, dass der Schein nicht mehr als das sein zählen soll.

00:07:18: Jetzt frage ich mich, war das nicht immer so?

00:07:21: Du sagst wir leben in einer Zeit, in der das Extrovertierte wichtiger ist denn je.

00:07:28: könnte man nicht immer zurückblickt in die Geschichte argumentieren.

00:07:32: Naja, spätestens seit der klassischen griechischen Zeit Artiner Demokratie haben sich die guten Redner durchgesetzt, die da rausgehen.

00:07:41: Nicht nur die, die so knobeln und so... keine Ahnung, den Thaleskreis sich ausgedacht haben.

00:07:49: Sondern mehr Pericles-Style rausgehen an die Rampe treten und irgendwie feurige Reden halten.

00:07:55: Das ist aber zweieinhalb Tausend Jahre her!

00:07:57: War das nicht immer so?

00:07:59: Ja, gute Frage.

00:08:00: Ich glaube es war tendenziell schon immer so tatsächlich.

00:08:06: Aber es gibt jetzt in der Moderne große Treiber, die das weiter verstärken, wenn wir uns wieder zurückkommen in unsere Zeit ... wenn man so will, die kapitalistische Dienstleistungsgesellschaft.

00:08:16: Die einfach ganz stark darauf setzt im Individualismus, dass jeder sich selbst unsere Dienstleistung verkauft und ... ähm, im zweiten Schub die Digitalisierung, die einfach uns alle zu viel mehr Selbstdarstellung zwingt also auch die Extrovertierten.

00:08:34: Und ich glaube wir haben heute Möglichkeiten.

00:08:37: Stichwort LinkedIn weil es jeder sofort was man damit meint das ist einfach.

00:08:42: Das hatte man ja vor ein paar Jahren noch gar nicht.

00:08:43: Du hattest gar nicht die Möglichkeit.

00:08:44: auf all diesen Plattformen, also heute gibt es all diese Plattform, die bespielt werden wollen auch übrigens von Politikern ganz wichtig.

00:08:52: Social Media ist ja irgendwie ganz, ganz wichtig geworden in den letzten Jahren und das war früher einfach noch nichts.

00:08:58: oder waren die Politiker in den Fernsehsendungen dann gab es zwei große Sender und das wars.

00:09:04: Das soll nicht heißen dass sie nicht immer Diejenigen, die extrovertiert waren schon immer beliebter waren.

00:09:09: Aber es hat einfach noch mal so viel mehr

00:09:11: zugenommen.".

00:09:13: Okay also die sozialen Medien und der Kapitalismus in zwei Punkte, die du nennst, die hängen auch miteinander zusammen ja?

00:09:19: Also Plattformkapitalismus, Aufmerksamkeitsökonomies sind da vielleicht Stichworte.

00:09:27: Verstehe dich richtig dass du eine Kapitalismuskritik betreibst.

00:09:30: heißt das denn das andere nicht kapitalistische Systeme zum Beispiel der Sozialismus besser wären für ihn Menschen?

00:09:37: So weit würde ich jetzt noch nicht gehen wollen.

00:09:41: Aber man kann auf jeden Fall sagen, dass in sehr individualistischen Kulturen natürlich die Darstellung des selbst deutlich wichtiger ist als in kollektivistischen kulturen und das kann man schon auch in den Daten sehen.

00:09:53: Das ist sehr interessant, dass zum Beispiel einigen Ländern in Asien extrovertiert halt gar nichts so gewünscht ist.

00:10:01: also da wird es auch den Kindern gar nicht so anerzogen wie bei uns.

00:10:05: Da wird es eher als Aggression gesehen zum Beispiel, also als etwas Negatives und das war nicht schon interessant.

00:10:11: deswegen habe ich dieses Ost-West Thema auch mit aufgegriffen.

00:10:15: einfach die Frage Also wenn man... Es gibt eine schöne Karte da haben Forscher abgetragen Die Big Five, also die großen fünf Persönlichkeitsmerkmale und ihre Ausprägung auf einer Deutschlandkarte Und dann kann man ganz spannend sehen dass der Norden viel introvertäter ist als der Süden, natürlich.

00:10:35: Ist irgendwie naheliegend und aber auch der Osten viel introvertsierter als der Westen?

00:10:41: Und da wäre jetzt die Frage naheliegend inwieweit ist das noch auch ein Erbe sozusagen einer eher kollektivistischen Erziehung im Gegensatz zu einer eher individualisten Erziehungen.

00:10:53: Das finde ich sehr interessant.

00:10:56: Es hat sogar gesagt die Big Five.

00:10:59: Vielleicht sollten wir das erklären.

00:11:00: Es geht nicht um Großwildjagd im Brandenburg oder so, sondern es geht um Persönlichkeitsmerkmal.

00:11:05: Ich hab mir die mal auf den Zettel rübergezogen, weil ich gucken muss, welche Fünfters sind.

00:11:09: Die

00:11:12: großen fünf sind Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Neurotizismus und Extroversion.

00:11:21: Jetzt kann ich noch mal kurz ... dazu sagen, was das ist.

00:11:23: Also Offenheit einfach jemand der gerne ein neues mag, der kreativ ist, der gern abstrakte Gedanken hat.

00:11:31: Gewissenhaftigkeit ist jemand, der strukturiert ist im Denken und Handeln eher organisiert, eher pflichtbewusst.

00:11:38: Verträglichkeit ist jemand , der mit fühlend ist kooperativ und nachsichtig.

00:11:45: Neurotizismus emotional etwas labiler ist, ängstlicher und leichter reizbar.

00:11:54: Und eben Extroversion also jemand der nach außen gerichtet ist gesellig eher in Gruppen aufblüht.

00:12:03: und genau heute weiß man dass diese Merkmale relativ unabhängig voneinander auftreten spannenderweise und sie wandeln sich über den lauf des lebens relativ wenig.

00:12:12: das Der Punkt, der es so interessant macht.

00:12:14: Also sie bleiben recht stabil und dieser Big Five gelten als verlässlichstes robustes Modell was wir im Moment haben und ist deswegen Standard in der psychologischen Forschung.

00:12:27: Wer sagt das, dass es verlässlich ist?

00:12:31: Alle anderen Modelle sind immer falsifiziert worden.

00:12:35: Man kann mit denen nicht so gute Kausale vorhersagen treffen.

00:12:39: Mit den Big Five kannst du relativ zuverlässig kausale Vorhersage treffen.

00:12:43: wie welchen beruflichen Erfolg würde jemand mal haben.

00:12:47: eine glückliche Partnerschaft haben, würde er sogar das politische Wahlverhalten kann man damit ein bisschen vorher sagen.

00:12:54: Das ist wirklich spannend.

00:12:55: also Man kann zeigen wer gewissenhaft ist der verdient im mittel etwas mehr geld und verträgliche menschen Haben zum beispiel öfter partnerschaften die länger halten.

00:13:07: das Ausnahmestätigen immer die regel.

00:13:09: aber man kann es tendenziell sagen und das ist einfach in den großen journals dass die Big Five im Moment relativ stabil sind.

00:13:19: Das heißt nicht, dass irgendwann kein neues Modell kommt, was vielleicht noch besser ist?

00:13:23: Aber im Moment ist es so.

00:13:24: Okay also zur Klarheit du argumentierst ja eigentlich naturwissenschaftlich das jetzt nicht Kulturtheorie sondern du schaust dir empirische Studien an... Ist das richtig?

00:13:34: Auch ja aber ich würde sagen mein Buch ist ganz doch mit naturwissenschaftlichen Forschung untermauert Soziologisch-Kulturwissenschaftlich würde ich sagen.

00:13:45: Aber diese Big Five, diese Charaktereigenschaften gibt es überall auf der Welt.

00:13:49: Die sind Ozeanien und in Südamerika und bei den Inuit und Berlin.

00:13:55: Das ist universell.

00:13:57: Nur zur Klarheit und da muss man nicht Kulturen rausrechnen, du hast gerade schon gesprochen von asiatischen Kulturenen die aus unserer Sicht also kollektivistisch sind, nicht so individualistisch wie wir sofern diese Unterscheidung irgendwie so trägt.

00:14:13: ich glaube ein bisschen vielleicht.

00:14:15: Unabhängig vom kulturellen Unterschied gelten dieser Charaktermerkmale universell, verstehe ich das richtig?

00:14:22: soweit ich das bisher in der Forschung überblicke?

00:14:25: Ja, genau.

00:14:26: Also die sind relativ unabhängig von den Kulturen.

00:14:28: also das spannende daran ist dass eben die frage besteht inwieweit sind sie ja doch dann so einem großen punkt angeboren und dann eben innerhalb der kultur in der man lebt dann noch weiter geformt?

00:14:41: da gibt es natürlich sagt der grob ungefähr fünfzig-fünfzig.

00:14:46: Ungefähr die Hälfte ist angeboren und den Rest kann man verschieben, das ist wie ein Korridor, den hast du und innerhalb dieses Korridors kannst du dich noch etwas bewegen oder mehr oder weniger aber du kannst nicht unendlich weitbewegen.

00:15:00: also du kannst wenn du jetzt sehr introvertiert bist daran arbeiten wirklich Extrovertiet zu werden und das kann man auch schaffen aber eben nichts so wie jemand der von Geburt an schon sehr extrovertiert ist.

00:15:12: Ich glaube, das ist heute so ziemlich in Stein gemeißelt.

00:15:14: Dass man sagt ungefähr fünfzig Prozent sind genetisch, fünfzig prozent sind Umwelterziehung und so weiter.

00:15:19: Was folgern wir da raus?

00:15:21: Also heißt das, dass uns die Welt in der wir leben.

00:15:26: Die Kräfte, die in ihr wirken und die sozialen Medien eben zuletzt noch stärker zur Extroversion erzogen haben als das vielleicht ohnehin schon der Fall war an der Geschichte?

00:15:35: Das würde ich denken.

00:15:35: Also sogar extrovertierte Menschen, die das wirklich gerne machen sagen ja oft... also mir ist das jetzt auch langsam zu viel.

00:15:42: dieses andauernde Auftreten immer wieder Performance, immer wieder auch diese Vorträge zu halten usw.. Das ist schon, glaube ich eine Zeit in der das allen auffällt.

00:15:51: Dass es so sehr zugenommen hat und dass natürlich da die Leute gewinnen, die das einfach sehr gut können.

00:15:57: Wie

00:15:58: ist das historisch?

00:15:59: Ich habe bei dir gelesen – das fand ich ganz faszinierend!

00:16:02: Es gibt zum einen diese historische Entwicklung in der Moderne und in der Industrialisierung Großstädte entstehen und es gibt diesen Diskurs um Großstätte.

00:16:16: Laut, Stärke

00:16:17: usw.,

00:16:19: bis zur Erfindung der Dampfmaschine und auch der Hammerwerke usw.

00:16:26: habe ich mal gelesen waren Schmiedehemmer und Glocken die lautesten Geräusche, die dem Menschen gehört haben in unserer Lebenswelt.

00:16:34: Und irgendwann kam dann eben, was das ist, motorisch betriebene Standswerke und dann ging eine große Lärm los.

00:16:40: Dann wurden auch die Orchester groß wagen nach Hundertmann, was weiß ich.

00:16:45: Welche Rolle spielt das?

00:16:46: Und du zitiest auch einen Historiker der sagt irgendwann im Verlauf der Geschichte begann so eine Explosion von Extroversion.

00:16:55: Europa wurde immer extrovertierter.

00:16:58: Kannst du das erklären?

00:16:59: und ist das vielleicht ne Ursache für den Welthistorischen Erfolg Europas, also Erfolg im Sinne von Europa zieht aus in die Welt.

00:17:11: Schafft sich Kolonien unterwirft andere Völker und so weiter?

00:17:13: Ja ja!

00:17:14: Also du spielst sicherlich auf den Kulturhistoriker Joseph Henrykern an der gesagt hat eigentlich das schon in Europa im Mittelalter der Individualismus schon zentral wurde.

00:17:27: Im Gegensatz zu anderen Gebieten in der Welt.

00:17:29: und das ist spannend, weil er meinte, dass war eigentlich außergewöhnlich, dass damals schon Menschen häufiger Kontakt mit Unbekannten hatten außerhalb ihrer Familien.

00:17:41: Während am besten der Welt es vielmehr noch um den Handel mit Familien ging oder mit Kontakte mit klaren Strukturen und deswegen wurde's im Handwerk und im Handel unglaublich belohnt extravertiert und offen zu sein.

00:17:53: Und einfach um Waren an Fremde verkaufen zu können.

00:17:57: Das ist ja interessant, weil er nennt sie ja Weird die Staaten.

00:18:01: Also das ist ein Akronym für Western Educated Industry.

00:18:07: Industrialized, rich und democratic?

00:18:09: Ja.

00:18:10: Ich

00:18:11: weiß, das ist ja wirklich was

00:18:14: für ein Keket.

00:18:14: Ich hab noch nicht drauf geguckt und dachte so ... Es ist spannend!

00:18:17: Und es ist eigentlich erst mal eine Kohortenkritik, dass er sagt die ganzen Studien, die es so gibt, beziehen sich auf Menschen, die eine spezielle Kohorte sind.

00:18:30: Deswegen sagt er wir sind auch weh.

00:18:37: Europa in dem Moment oder der Westen ist eigentlich das seltsame, während sich die restliche Welt eigentlich anders entwickelt hat.

00:18:45: Ich würde jetzt gar keine Wertung da einem beziehen wollen ob es jetzt so viel besser ist oder so viel schlechter weil das klingt dann auch immer sehr schnell sehr eurozentristisch und irgendwie herablassend und so weiter.

00:18:54: ich aber ich fand's einfach interessant dass er das so sagt dass einfach der Individualismus einfach in europa durch diesen handel schon sehr sehr vorangeschritten war.

00:19:04: Das fand ich auch beim Lesen sehr spannend.

00:19:06: Und wenn man davon ausgeht, dass dieses Extroversionsmerkmal sich eigentlich bis heute weiterziehe durch die Industrialisierung, durch die schnell angewachsenen anonymen Städte wie du es schon gesagt hast ist das ein Trend der bis heute anhält.

00:19:23: und weil du ja auch das schon meintest also die Kondition humaner war eigentlich über Jahrtausende eine ruhige langsame Umgebung, ohne die jetzt romantisieren zu wollen.

00:19:34: Aber der Mensch lebte ja vor der Industrialisierung in einer relativ stillen Welt und sie war langsam und körperlich fordernd und anstrengend aber im Wesentlichen eigentlich reizarm.

00:19:48: Und ich glaube unser Gehirn ist für diese heutige Flut am Input, wie wir dauernd haben wenn das Handy auf tausend Apps bemüllt und blinkt und ständig musst du mal update Man kommt ja heutzutage überhaupt nicht mehr weg von diesen ganzen Reizen, die jeden Tag in allen möglichen Formen auf einen einströmen.

00:20:07: Da merkt man dann vielleicht ist unser Gehirn dafür nicht so ausgelegt.

00:20:12: Genau und diese Großstadt deswegen war mir das auch noch wichtig, die Großstädte, indem wir alle leben also viele von uns brachte eben wenn wir jetzt mit dem Müll unter keinem Argumentieren viel Freiheit aber auch viel Entfremdung.

00:20:27: Das ist ja auch immer dieses.

00:20:29: die Menschen leben dort nicht nur miteinander, sondern auch sehr nebeneinander her.

00:20:36: Und das eben mit dieser wachsenden Lautstärke und dieser Reizüberflutung.

00:20:39: Deswegen glaube ich, dass diese Frage wie wir eigentlich damit umgehen mit diesen Reizen?

00:20:45: Dass es einfach Menschen gibt, die davon viel stärker betroffen sind als andere... Das ist auch noch mal ein wichtiges Thema!

00:20:54: Jetzt nochmal zu dem Henry zurück und zu dieser Extroversin könnte man sagen, dass das eigentlich so eine evolutionäre Entwicklung ist.

00:21:01: Also wir sind jetzt im frühen Mittelalter in... Nürnberg.

00:21:05: Und da kommen jetzt so von weit her über diese Berge im Süden ganz komische Menschen, die sehen ganz komisch aus.

00:21:11: Die haben komische Haare, die haben komischer Haut und komische Klamotten an aber die bringen ganz tolle Sachen mit.

00:21:16: Haben wir noch nie gesehen.

00:21:17: So weiß ich nicht was sei da.

00:21:19: Also ich meine, seitig gab es schon ewig.

00:21:21: Aber irgendwie so... Und dann gibt's halt Leute, die gehen raus und quatschen hier an und sagen hey was hast du da?

00:21:26: Bleib mal hier!

00:21:28: Und die kriegen dann irgendwie so ein Ballenseide oder so und machen dann Geschäfte.

00:21:32: Jetzt könnte man ja sagen, okay ... Die Leute, die sich trauen, die anzusprechen und nicht zurückschrecken weil sie Haare haben wir noch nie gesehen haben, profitieren davon setzen sich irgendwie durch mit ihren Eigenschaften.

00:21:48: Ist es da nicht so ein bisschen wie beim Tyrannosaurus Rex, der hat ein tolles großes Gebiss entwickelt damit er andere besser fressen kann und die Exrovertierten sind für diese Eigenschaft belohnt worden?

00:21:59: Weißt du dass sie damit Erfolg haben?

00:22:01: ist das dann so ein Prinzip das ich auf diese Weise durchgesetzt habe?

00:22:07: Das weiß ich nicht, weil dann würde man ja argumentieren müssen, dass wir alle heute extrovertiert sein müssten.

00:22:12: Weil Introversion dann etwas gewesen wäre was sich evolutionär nicht lohnenswerterweise auszahlt.

00:22:19: und das glaube ich nicht.

00:22:19: also ich deswegen.

00:22:23: Ich will auch gar nicht in dem Buch eine Gruppe gegen die andere ausspielen, sondern es geht mir darum zu sagen beide haben Stärken und ihre Berechtigung.

00:22:32: Es geht einfach nur darum, dass wir beiden gleich viel Gewicht geben sollten, weil Introvertierte hatten ja auch schon in allen Kulturen wichtige Stärkungen.

00:22:41: Da sind wir wieder bei den Stärkten.

00:22:43: Auch wenn du jetzt sagst im Mittelalter ... Die sind eher die Introvertierten, Die sind, die gut zuhören.

00:22:50: Eher vielleicht ... Was ist nicht?

00:22:53: Die Heiler oder die Leute gehen, die dann da ... die Menschen auffangen und betreuen usw.

00:23:00: Also es gibt einfach Fähigkeiten, die braucht man eben auch!

00:23:05: Ich glaube schon, dass das auch wenn wir so evolutionär biologisch jetzt argumentieren, dass es einen Grund gibt, damit es beide Ausprägungen gibt.

00:23:14: Vielleicht sollten wir mal ein paar ... Innen Menschen nennen, denen wir so viel verdanken.

00:23:21: Ohne einen würden ich mit einem Tesla hier rumrauschen emissionsfrei.

00:23:26: und du hast ja eine ganze Reihe.

00:23:27: Du hast glaube ich auch schon gerade einige erwähnt Touring ... Du hast aber auch mythologische Figuren den hefeist.

00:23:35: Das fand dich ganz spannend.

00:23:37: Genau!

00:23:38: Hefeist ist mein Lieblingsgott.

00:23:43: Wenn man so

00:23:43: will, der Erste ... Dacht das wär ein Armarkerl.

00:23:46: Ja, aber deswegen mag ich ihn so gern!

00:23:49: Der Erste hat den griechischen Mythologie, wenn man es so will und er hat wirklich viel drauf, aber wird permanent unterschätzt.

00:24:01: Also er ist ja der Gottesfeuer des Schmiedekunstes und der Vulkanin natürlich.

00:24:07: Und der ist einfach ... er ist eigentlich genial.

00:24:09: Er hat unglaublich viele Ideen.

00:24:11: Er ist schlecht im Smalltalk.

00:24:13: Er wohnt nicht auf dem Olymp wie die anderen, sondern eben in seinem Feuerspeinenberg in seiner Werkstatt.

00:24:21: Ich meine was der alles auch gemacht hat?

00:24:22: Der hat das Zepter von Zeuss gefertigt.

00:24:25: Den Palast der Sonne gefertigte er hat die Fessel mit der Prometos an den Karkus gespielt und wird hergestellt Das ist ein technisches Meisterstück, ein Bett hergestellt.

00:24:36: Ausgestattet mit einem unsichtbaren Netz aus Diamanten das zuschnappt als seine Frau Aphrodite ihn mit dem Kriegsgott Ares betrügt.

00:24:46: und da schönes schöne Anekdote statt dafür Bewunderung zu bekommen wie genial natürlich dieser dieses Konstrukt erst mal ist wird er dafür ausgelacht dass er eben ein bedrohender Ehemann ist und es wird oft gesagt, dass er mit seiner Haare und seinen Bart nachlässig umherhängen.

00:25:05: Er wird auch oft als physisch relativ unattraktiv dargestellt.

00:25:10: Das finde ich sehr spannend, weil es damit zusammenhängt wie viel Respekt man dieser Figur an sich erst mal entgegenbringt.

00:25:17: Und das ist für mich wieder so ein Prototyp des Nerds.

00:25:22: in dem Fall, weil der sich zeigt ... Menschen in dem Punkt schon immer übersehen wurden, unterschätzt oder missachtet und das hält einfach auch immer noch an.

00:25:34: Und ich glaube dass das einfach zu selten thematisiert wird weil wenn man aufgrund eines Persönlichkeitsmerkmales wie introversion etwas abgewertet wird dann bleibt das meist unsichtbar.

00:25:45: erst mal wissen nicht alle menschen unbedingt in welchem lager sie so sind.

00:25:48: es machen sich auch viele nicht klar weil es einfach nicht so thematisiert wird und du kannst es einfach auch nicht sehen.

00:25:54: Also du sagst eigentlich, es gibt so eine Kulturgeschichte des Nerds die sich bis zum Beginn unserer Aufzeichnung in die Mythologie zurückverfolgen lassen.

00:26:05: Gefeistos ist eben nicht so ein Charakter den Brad Pitt dann im Kino spielt sondern der wird irgendwie wenig beachtet.

00:26:10: aber er ist wichtig.

00:26:11: Genau alle kennen's heus, weil Feistos nicht so richtig ne?

00:26:16: Okay.

00:26:17: Und deine Theorie ist, dass große Erfinder-Wissenschaftlerinnen häufig in dieser Tradition des Nerd-Designs, Nerdtunes, die dann sagt man überhaupt

00:26:30: stehen?

00:26:31: Ja ich glaube das wird wirklich große Errungenschaften unserer Zivilisation einfach erst mal dem Umstand verlangen, dass Menschen nicht in großen Gruppen aufgeblüht sind und da die Super Entertainer waren sondern sich ins sogenannte stille Kämmerlein zurückgezogen haben, um ihre Gedanken und Ideen weiter zu verfolgen.

00:26:49: Einfach dieses Tüfteln, wenn man so will Nördige vor sich hin basteln denken und dann daraus was erschaffen.

00:26:58: dem gerade gar nicht so viel Respekt entgegenbringen wie es verdient hätte, glaub ich.

00:27:04: So noch ein paar Nerds-Outen?

00:27:05: Also so Einstein, lau ich hat gesagt ... Ich bin ein Einspender!

00:27:08: Einstein ist ein gutes Beispiel.

00:27:10: Einstein wollte überhaupt keine Gruppenarbeiten machen und er wollte seine Ruhe haben.

00:27:14: Er war kein Menschenfeind, er war schon sozialer Typ so aber er war einfach sehr, sehr gern allein auch mit seinem Segelbohl dann immer unterwegs.

00:27:21: Ach

00:27:21: hier in der Nähe, in Kaput oder?

00:27:24: Ja genau.

00:27:26: Der zum Beispiel oder auch Marie Curie, ein berühmtes Beispiel.

00:27:31: Sie war ja auch ... Die war einfach gar nicht daran interessiert, jetzt da ihre Forschungsergebnisse groß anzupreisen oder irgendwie beklatscht zu werden.

00:27:40: Sondern die hat das gemacht und sie war vollends davon überzeugt.

00:27:43: Und hättest du ihr sagen müssen, du brauchst aber noch einen LinkedIn-Account oder Social Media Account?

00:27:49: Ich denke oft darüber nach, die würden einem allen Vogel zeigen, also zurecht!

00:27:53: Oder so'n Sonderforschungsbereichsantrag.

00:27:55: Kannste mal machen.

00:27:57: Genau, da Nikola Tesla auch so einer.

00:27:58: Der hat ja gesagt, Alleinseiten werden Ideen geboren.

00:28:01: oder noch ein neues Beispiel ist Steve Wozniak, der Erfinder von Apple.

00:28:05: Alle kennen Steve Jobs.

00:28:07: bei Woznyak wird es dann schon so bisschen spielen ... Aber der war auch jemand, der gesagt hat du musst allein sein.

00:28:12: Allein sein ist ... Der hätte niemals im Großraumbüro einen Computer erfunden!

00:28:17: Das ist eigentlich ein super Beispiel, weil die beiden als Gründer von Apple eben diese beiden Facetten verkörpern.

00:28:25: Die eine der mit diesem sorgfältig konvertierten Schlaberluck daraus tritt und den Magier gibt im Scheinwerferlichten der andere, der so Bill Gates-Style hinten was gelötet hat

00:28:36: oder Archimedes auch noch so ein bekanntes Beispiel, der auch irgendwie oft ... relativ ungepflegt war.

00:28:42: Die anderen haben ihn dann in das Gymnasium geschleppt, damit er da ja in seiner Badeanstalt mal endlich sich wäscht und hat er da trotzdem weiter nur mit Öl und Ruß auf dem Boden weiter seine Zeichnung gemolkt.

00:28:53: Und dieses Störo-Meine-Kreise nicht finde ich da einfach einen perfekten Satz der das Buch auch zusammenfasst weil er halt so geniale Dinge erfunden und gar nicht gemerkt ist, dass der andere jetzt da ihn erschlägt oder wenn er weiß... Er wollte es einfach noch zu Ende machen.

00:29:10: Das

00:29:11: ist interessant, weil jetzt sagst du, ich störe meine Kreise nicht?

00:29:14: Also das ist ja ein Gedanke der sich durchzieht von deinem letzten Buch.

00:29:20: Ich möchte lieber nicht so diesem.

00:29:21: Das sind irgendwie zwei Spielarten oder zwei völlig unterschiedliche Perspektiven und Geschichten auf ein ähnliches Phänomen.

00:29:29: Lass mich in Ruhe, lass mich mal machen usw.. Sagst du immer wieder im Buch, dass die Innenmenschen Zeitbrauchen und Abstand genauso viel Energie haben wie die Außenmenschen dabei, die nicht so raus strahlen.

00:29:44: Und andere nicht verstrahlen damit auch ungefragt gebeten, sondern das die Innenmenschen eben ihre Energie drin behalten?

00:29:53: Dann kommt öfter mal die Formulierung sie arbeiten für ein höheres Gut oder höheres Wesen oder so das Höhere habe ich mich gefragt Stehst du da vielleicht in der Tradition dieses Denkens einer Innerlichkeit?

00:30:08: Es gibt auch diesen Top-Haus der deutschen Innerlichkeit.

00:30:10: Du zitierst die russische Seele, also die kommt schon im Zauberberg vor bei Thomas Mann und dann geht es auch um Innerlichkeit.

00:30:19: Ist das nicht auch ein historischer Top-Hos, dass die Russentiefe haben und wir Deutschen?

00:30:24: Wir sind so halb auf dem Weg zur Tiefe schon.

00:30:27: Wir sind diesseits des Urals von Paris aus betrachtet aber wir sind auf keinen Fall so oberflächlich wie die Franzosen.

00:30:33: Also nochmal ich sage, dass sie französisch so obergleichlich sind... Aber das ist der Top-Ost noch bei Thomas Mann!

00:30:39: Da schlägst du ganz schon rein in die Kerbe, oder?

00:30:42: Und es gibt diesen Schubert-Franzel der arme Kerl.

00:30:45: Der kam nicht so gut bei den Frauen an und ist da heimgegangen und hat so tolle innerliche Lieder komponiert... Siehst du dich in dieser Tradition?

00:30:56: Oder hast du das Gefühl, dass es da auch so müten der Innerlichkeit... Was ist das höhere von dir besprächs...?

00:31:03: Das ist eine super Frage!

00:31:06: Ich glaube ... Das ist ein guter Punkt, den du hast mit diesem ... die deutsche Innerlichkeit und dieser Tiefe usw.

00:31:12: Aber ich würde doch sagen, nein!

00:31:14: Mir geht's doch um was anderes?

00:31:17: Guter

00:31:17: Punkt aber

00:31:18: nein.

00:31:18: Ich verstehe deinen Punkt, aber ich glaube mir geht es ja nicht so sehr um dieses Gefühlige, um diese Stimmungen also... Ich möchte ja nicht und das habe auch noch mal extra kontrastiert in Buch davor nicht um dieses, wir tauchen jetzt ab in uns und wühlen da ganz lange rum.

00:31:36: Und gucken diese ganzen Befindlichkeiten an ohne das Abwerten zu wollen.

00:31:40: Das ist absolut legitim Romantik usw.

00:31:43: Das zu machen.

00:31:44: Mir geht es aber darum weg von diesem radikalen Individualismus zu gehen.

00:31:49: Also deswegen meine ich das weg vom ... Wie geht's mir?

00:31:57: Diese Übertheraportisierung

00:31:58: usw.,

00:31:59: dass ich gerne ganz stark von wegkomme.

00:32:02: Sondern es geht wirklich um einen Einsatz für die Gesellschaft, fürs Zusammenleben.

00:32:07: Das ist schon das, was ich meine mit etwas größeres als man selbst zu finden.

00:32:12: Dass man von diesem Ego einfach die ganze Zeit wegkommt und so gucken, wofür möchte ich denn meine Energie aufwenden?

00:32:21: Und das sehe ich schon sehr sozial eigentlich.

00:32:25: Das ist mir auch wichtig.

00:32:26: Es ist spannend, dass beide Bücher in dem Punkt eine Überschneidung sind.

00:32:30: und es stimmt.

00:32:31: Beide Bücher beschreiben diese Extremform des Individualismus, die wir erleben auf verschiedene Weisen.

00:32:38: Ich möchte lieber nicht ginge um positives Denken.

00:32:43: Dass man für alles selbst verantwortlich gemacht wird.

00:32:46: Es geht alles um das Mindset.

00:32:48: Man soll an sich arbeiten und dann wird alles gut werden.

00:32:52: der damit verbunden ist, der mich ja auch wirklich wütend gemacht hat.

00:32:55: Wo ich dachte so wird.

00:32:56: das kann nicht sein dass wir jetzt wirklich allen Leuten sagen du bist mit deinem Mindset für alles erst fand es geht nicht.

00:33:01: also wenn wir die auch gerade wenn wir in die politik im aktuellen wieder schauen ganzen kürzungen im sozialen bereich im pflegebereich im bild und so weiter du kannst den leuten dann nicht sagen du bis selbst verantwortlich für alle.

00:33:11: so war das und das buch jetzt.

00:33:14: Es ist eigentlich ein Kritik daran, dass wir hören.

00:33:18: Du musst dich dauerhaft darstellen!

00:33:19: Du musst sich dauerraft verkaufen!

00:33:21: Du muss einfach zusehen, dass du nicht untergehst weil alle anderen machen es auch.

00:33:25: Das ist das und wer da eben vor allem untergeht wiederum die in Menschen denen ich dieses Manifest gewidmet habe weil ich das Gefühl habe es redet uns keiner über sie.

00:33:34: Ah ja, es hat jetzt Klarheit bei mir geschaffen.

00:33:36: Es sind zwei Bereits Seiten gegen LinkedIn.

00:33:38: Das eine ist die Breitzeite gegen den Terror des Positiven, diesen Mindset.

00:33:43: Ich schaff das ich bin selber verantwortlich so proud to share bla-bla-bla.

00:33:46: Auf neoliberal dieser ganzen Ansatz?

00:33:49: Genau.

00:33:49: und das andere ist dieses histrionische.

00:33:51: hier präsentiere ich mich mit einer verlogenen Dankbarkeit.

00:33:54: heute durfte ich mein Poster präsendieren bei der Konferenz so und so.

00:34:00: Das muss man sagen, ich glaube fast alle durchschauen.

00:34:03: Ich frage mich immer für wen macht man dieses Theater eigentlich?

00:34:05: Weil ja alle wissen das ist dieses Humble-Bragging.

00:34:08: Humble-Bragging?

00:34:10: Ja.

00:34:10: Also jetzt hab' ich's kapiert... Genau was du gerade leistest!

00:34:13: Ich durfte

00:34:14: mit XYZ und es ist immer so ein schön verpacktes Bragging einfach.

00:34:21: Okay und du findest dass ... Unsozial oder antisozial.

00:34:27: Verstehe ich das richtig?

00:34:28: Also du hast was, jetzt überlege ich gerade ob es das richtige Wort ist.

00:34:34: Ist das etwas kommunitaristisches oder irgendwie so etwas, dir fehlt eine Form von... Gemeinschaft oder Sinn für Gemeinschafter, die diese Spitzen der selbst Darsteller abschneidet.

00:34:49: Was stellt sie dir vor?

00:34:51: Ich stelle mir eigentlich vor dass man das Schlaglicht wieder auf die Leute wirft, die eigentlich sowas gar nicht betreiben.

00:34:56: und das sind ja wirklich sehr viele Menschen Wenn wir jetzt auch auf, zum Beispiel diese ganzen Wohlzüsigkeits-Dinge schauen oder auch das Ehrenamt.

00:35:04: Oder so viele Menschen, die sich engagieren und einfach davon überhaupt kein Aufhebens machen.

00:35:08: Oder habe ich als Beispiel drin wie schön es ist wenn eigentlich mal jemand seinen Fach beherrscht Total selbstverständlich macht.

00:35:17: Ich hatte immer einen Handwerker bei mir und es war so ein Fachmann, der war so ... Ein geschulter erfahrener Mensch!

00:35:24: Und er hat das mit so einer Selbstverständlichkeit gemacht und überhaupt keinen Aufhebens darum gemacht.

00:35:28: Das Begegel einem heute finde ich so selten dass jemand einfach so ja also überhaupt keine Werbetrommel für sich rührt und etwas wirklich gut kann.

00:35:37: diese Mischung aus Kompetenz Absoluter Lässigkeit dabei.

00:35:42: Das überhaupt nicht darzustellen, das find ich so angenehm.

00:35:46: und da hab' ich richtig so einen Reliefmoment mal bemerkt, dass ich dachte ist das schön?

00:35:51: So ein feger Mensch!

00:35:53: Aber gesellschaftlich geht's mir eigentlich darum auch nochmal zu sagen, dass es wirklich eine Diskriminierung gibt bei Introvertierten weil man zeigen kann wenn man introvertiert ist, man deshalb im Schnitt schlechtere Chancen auf Wohlstand und auf Status hat.

00:36:12: Und das finde ich eigentlich wirklich enorm!

00:36:15: Also sie verdienen, introvertierte verdienen bei gleicher Leistung weniger und sie bekommen seltene Aufstiegschancen weil die extrovertierten als die besseren Performer wahrgenommen werden.

00:36:25: Wenn wir jetzt zu Ende denken dass die Welt in der wir gerade sind einfach die Extrovertieten so viel mehr bedient denen ein höheres Gehalt zahlt usw.

00:36:34: auch die Oberschicht muss man sagen ihre Kinder ganz systematisch eigentlich zu Extroversionen erzieht, dann ist das einfach wirklich enorm.

00:36:42: Also wenn man mal überlegt ... Es gibt ja dieses Auftreten, Theaterkursebelegen, Geigespielen.

00:36:49: Dann sagt doch mal ein Gedicht auf so.

00:36:53: Eigentlich trainiert alles die ganze Zeit dieses Auftrehen und das haben ja auch Elitenforscher schon auf dem Schirm.

00:37:00: Aber dass das eben mit Intro-Extroversionen zusammenhängt, das ist eben ein neuer Punkt.

00:37:07: Der ist wirklich, es scheint mir sehr wichtig zu sein.

00:37:09: Der wird noch nicht genug beachtet weil wenn wir darüber nachdenken nur dass jemand spontan wirkt das er pontiert ist das eloquent ist auch ein größeres Netzwerk hat also extravertierte haben einfach nachgewiesenermaßen logischerweise größere Netzwerke treten lieber auf sind damit sichtbarer und dann eben aber auch beliebter und dann später auch einflussreicher.

00:37:31: Und das aber nicht, weil sie mehr Fähigkeiten haben sondern einfach weil Sie in diesem Aufmerksamkeitssystem besser funktionieren.

00:37:40: Dann finde ich das wirklich eine große Ungerechtigkeit.

00:37:43: Wenn wir jetzt mit Bourdieu kommen – den habe ich natürlich auch im Buch ganz groß drin – dann kann man sagen dass diese Fähigkeit zur Selbsterstellung eigentlich ein verinnerlichter Habitus geworden ist, der privilegierten Klassen.

00:37:57: Und das ist eigentlich so.

00:37:58: das große sozialologische Anliegen dieses Buches, was ich hab, jetzt wird es einmal sehen!

00:38:01: Das finden wir ein bisschen weird... Das ist der Punkt.

00:38:07: Ich muss sagen, ich wundere mich mit Blick auf die Schule wie Sie heute über meine Kinder immer wieder dass manche Dinge noch genauso sind wie sie zu meiner Zeit waren.

00:38:17: also zum Beispiel das nach wie vor noch im Musikunterricht vorgesungen wird

00:38:22: Immer noch,

00:38:23: ist ja schrecklich.

00:38:25: Es kommt drauf an wie man singt!

00:38:27: Aber ich kann mir gut vorstellen ... Ich hab's auch im Ohr, wie schrecklig es für manche war so.

00:38:32: Selbst wenn man gut singen kann?

00:38:33: Und trotzdem wärs der Horror, weil du kannst nicht vor Leuten gut singe.

00:38:37: Das ist ein zweites.

00:38:38: Genau.

00:38:38: Das eine ist die, die gar keinen Ton treffen und sofort mal ne Beschämung.

00:38:43: Dann gibt's noch diese sagen kompliziertere oder ... Beschämungen, wann man's nicht möchte, und so weiter.

00:38:51: oder auch so sportende Richtvortouren, Sportfest-Bundesjugenspiel.

00:38:55: Jetzt ist der Leistungsgedanke wieder stark gemacht worden.

00:38:59: Also ich glaube vor zwei Jahren ist er leistungslager abgeschafft worden beim Bundesjugendspielen und dann war es spielen jetzt wieder im Wettkampf.

00:39:06: Ja bei Stichwort mündliche Prüfungen auch ein schönes Beispiel.

00:39:09: Man klopft bei mündlichen Prüfung einfach nicht das Wissen ab du klopfst ab wie gut jemand unter Stress funktioniert.

00:39:16: Das ist eine andere Fähigkeit,

00:39:17: die du prüfst.

00:39:18: Ja da habe ich mich so ein bisschen schuldig gefühlt als ich deine Ausführungen zu den mündlichen Prüfung gelesen habe und dann hat er ab und an ein bisschen Aggressionen gegen dich entwickelt als Autorin weil ich natürlich lange Zeit schon mündliche Prüfungen abnehme und jetzt in Zeiten von Gbt erst mal recht.

00:39:37: also wir sind zurückgegangen.

00:39:40: Also es kompliziert, man kann auch schriftlich Teilleistungen haben usw.

00:39:43: Aber tendenziell habe ich jetzt zuletzt wie mündlich geprüft und es ist schon so dass ich mir dieser Situation irgendwie bewusst bin und das sich versuche darauf zu reagieren oder anbiete andere Leistung.

00:39:58: aber Also bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich Studierende versuche zu motivieren die mündliche Prüfung zu versuchen.

00:40:05: Weil ich denke das ist eine Form von... Ich weiß nicht ausprobieren, Desensibilisierung ist ein relativ geschützter Ort und sowas will ich mich gar nicht verteidigen.

00:40:12: aber der Punkt Ist das nicht ein Dilemma?

00:40:18: Ja, so würdest du sagen.

00:40:21: Also dann gibt es jetzt so eine Person die sagt ich bin ich geprüft mich fühle mich nicht wohl und so.

00:40:26: Dann sage ich auch klar sie können noch Papier schreiben aber warum probieren Sie sich mal.

00:40:30: ist es eigentlich richtig?

00:40:31: oder würdest Du sagen ne lass das also dieses verstehst als Argument.

00:40:35: Es ist ein geschützter Raum.

00:40:37: wo wenn ich hier Können Sie es mal probieren?

00:40:40: Ist das übergriffig, wenn ich so eine Motivation versuche ...

00:40:47: Nee.

00:40:48: Wenn du die Option stellst, kann das ja gar nicht übergriffisch sein.

00:40:52: Der Mensch kann sich frei entscheiden, ob er's möchte oder nicht.

00:40:55: Ja, ist natürlich auch so so gestiefert, der Dozent wills aber lieber.

00:40:57: Ist schon

00:40:57: klar!

00:40:58: Die Frage ist halt auch, also ist das jetzt wirklich ein Raum wo dann nur du da bist und sind das sehr viele Prüfer?

00:41:04: Und Beise zu einer Beise zurück.

00:41:07: Weil der Übergriff, ich würde es nicht nennen.

00:41:09: Aber ich bin trotzdem ein ganz großer Fan des geschriebenen Wortes weil ich auch glaube dass die viele innen Menschen ihre Gedanken besser zu Papier bringen können als erst mal mündlich zu sprechen.

00:41:19: Ich muss lachen weil ich sitze hier mit ganz ganz viel Papier Weil ich einfach auch mit dem Freisprechen ... Viele in Menschen haben damit eher zu tun, glaube ich.

00:41:29: Und das gesprochene Wort wird ja gerade sehr stark gepämpert von allen Seiten und das geschrieben ein bisschen abgeschafft.

00:41:36: Da würde ich gerne noch mal eine Landshöfe brechen, dass das geschriebenen Wort unbedingt bleiben muss, auch in der Schule oder überhaupt in der Gesellschaft, weil es viele Menschen die Möglichkeit gibt, die Gedanken darzulegen in der Form, dass man sie vorher durchdenkt.

00:41:51: Wir haben

00:41:52: uns einigen auf das selbstgeschriebene Wort soll da bleiben.

00:41:55: Natürlich!

00:41:56: Und nicht, dass von Chatter Beauty geschrieben wird.

00:41:57: Unbedingt?

00:41:58: Okay.

00:41:59: In einem Podcast der AI heißt ...

00:42:02: Ja, das ist natürlich eine Etikettenschwindel.

00:42:04: Das weiß ich.

00:42:05: Habe ich mir

00:42:06: schon gedacht.

00:42:06: In

00:42:07: einer Anmoderation sag' ich ja auch Menschen gemacht und das ist ... Nicht überflüssig zu sagen, weil klar.

00:42:15: Da es mehr und mehr eingeschworene Podcast gibt usw.

00:42:20: Ich wollte gerade noch einen Haken als du so anhubst zum Rand gegen die Extrovertierten.

00:42:26: da dachte ich mir jetzt ist vielleicht Zeit für das PETA-Prinzip.

00:42:29: Das PETA Prinzip hat dich gar nicht richtig auf dem Schirm.

00:42:33: Es ist mir die Schuppen von den Augen gefallen, seit ich das gelesen habe und einmal durchdacht habe, verstehe ich die Welt viel besser.

00:42:39: Meine enge Umwelt auch in Arbeitswelt, erzähl mal bitte.

00:42:43: Das ist eigentlich ein super Einleuchtendes Prinzip.

00:42:45: Und zwar... In allen Berufsfeldern steigen die Menschen so lange auf bis sie irgendwann an einem Punkt sind, an dem sie unfähig sind weil sie plötzlich Fähigkeiten haben, die sie gar nicht besitzen.

00:42:56: Also es ist klar, wenn man hat irgendwo Fähigkeit dann wirst du befördert.

00:42:59: Da brauchst du neue Fähigkeiten für die Position.

00:43:02: Du wirst wieder befördert, aber irgendwann kommst du an den Punkt an, dass du diese Fähigkeit nicht mehr hast!

00:43:07: Also was weiß ich?

00:43:08: Wenn du an der Uni bist und dann musst du plötzlich nur noch mit Menschen arbeiten oder du kannst es vielleicht gar nicht oder willst das auch gar nicht... Und da ist eben spannend, dass die Extrovertierten deutlich schneller aufsteigen weil man ihnen einfach so viel mehr zutraut und oft auch das, was sie gar nicht unbedingt können.

00:43:25: Deswegen ist das ein bisschen ein Beschleuniger für dieses ganze Prinzip.

00:43:28: Deswegen sagt der Erfinder dieses Prinzipes, man soll einfach alle mal zurückstufen eine Stufe.

00:43:36: Also fand ich spannend dass man darüber mal so nachdenkt.

00:43:40: Ja das finde ich super spannend.

00:43:43: Ich spring jetzt ein bisschen in Themen.

00:43:45: sorry Als ich hierher gefahren bin nach Berlin habe ich meinen Anschlusszug in Frankfurt verpasst, ganz unerwartet und ebenfalls unerwartet waren alle Folgezüge ausgebucht.

00:43:58: Und ich hab mich dann irgendwo so reingeworstelt und bin irgendwann ins Bad dieses Zuges gegangen.

00:44:06: das war so ein großes also Behindertengerecht wo man auch reinfahren kann mit dem Rollstuhl Und das war erfreulich, sauber und rochnig schlecht.

00:44:17: Dann geh ich da rein, mach die Tür zu ... Man konnte auch richtig so eine Riegel ... Also es ging elektrisch zu die Tür.

00:44:24: Aber dann gab es einen sterlernen Riegeln mit dem man das zumachen konnte.

00:44:27: Da kam ein rotes Schild.

00:44:29: Dann war ich total safe.

00:44:30: Dann

00:44:31: hab ich gemerkt,

00:44:31: dass ich in dieser Toilette da stehe und aufatme.

00:44:36: Weil ich mehr freien Raum hatte als in den letzten zehn Jahren, wenn ich irgendwie mit dem ICE unterwegs war.

00:44:43: Und dann hab ich an deinem Buch gedacht.

00:44:45: Ja, das ist schön!

00:44:47: Es hat wirklich so resoniert ... gedacht habe, auch ich.

00:44:52: Wie schön ist das hier in Zuglo?

00:44:53: Richtig!

00:44:54: Das Dreieck der Innen-Bahn für mich.

00:44:56: Daran hab' ich gedacht.

00:44:57: Erklär mal bitte.

00:44:58: Friedhofbibliothek und Gästetoilette.

00:45:00: Friedhoffbiblothik und Gässtetolette oder

00:45:02: Zugtoiletten.

00:45:03: Ja genau.

00:45:04: Also einfach ... Das hat's über Spitz gesagt.

00:45:06: Der Ort an dem Menschen Zuflucht suchen wenn sie einfach in der Großstadt überreizt sind.

00:45:12: Da kann man sehr gut hervorragend allein sein.

00:45:16: da sind idealerweise wenige Menschen oder auch gar keine.

00:45:20: Du musst kein Smalltalk führen, du kannst einfach mal kurz in Ruhe sein und es gibt auch einfach eine klare Rollenverteilung.

00:45:27: Keiner erwartet dass du dort ein karismatischer Macher bist.

00:45:32: Und deswegen liebe ich diese Orte!

00:45:35: Du kannst natürlich Bibliothek jetzt auch mit Museum mal sitzen.

00:45:38: aber ja und Friedhöfe bin nicht ein ganz großer Fan.

00:45:41: Ich bin sehr viel auf Friedhöfen unterwegs.

00:45:44: Das klingt immer komisch, aber es ist eigentlich gar nicht komisch.

00:45:46: Willst du hängenblieben bei deiner Formulierung?

00:45:48: Auf der Toilette erwartet niemand, dass man ein charismatischer Macher is'.

00:45:51: Sorry!

00:45:51: Aber jetzt hole ich dich wieder eingedanklich und bin bei den Fried-Höfen dabei ...

00:45:55: Ja, aber dort auch.

00:45:55: Das ist genau das Gleiche.

00:45:58: Wenn ich hier in Berlin bringe, bin ich immer zu Hegel

00:46:00: aus dem Friedhof.

00:46:01: Natürlich.

00:46:02: Und es ist auch ein schöner Friedhof... Du machst Brasche und so, wer da alles liegt.

00:46:06: Also das sind die ... Was du sagst ist, also normalerweise ist die Toilette nicht so eine erfreuliche Erfahrung wie neulich da in diesem ICE sondern irgendwie auch so müffelig und so weiter.

00:46:20: Und trotzdem geht man dahin wenn man hinter sich eine Tür zumachen kann.

00:46:23: aber es ist ja irgendwie so eine Tragik oder?

00:46:26: Von uns in... Also ich rechne mich da jetzt mal ein weil ich da im ICE dieses Gefühl hatte ist das schön hier.

00:46:36: Ist das so ein bisschen.. Du sagst Für manche Menschen ist die Signalverarbeitung, und zwar auch die Verarbeitung sozialer Signale.

00:46:48: Hier sitzen wir und reden aber das findet nicht nur auf der propositionalen Ebene statt sondern wir gucken uns an und alles Mögliche ist im Raum und wenn man pech hat stößt man sich an oder so ... Alles Stress!

00:46:59: Und du sagst, soziale Signalverarbeitungen sind für manche wie Oktoberfest?

00:47:04: Ich zum Beispiel bin nicht ein Oktober-Fest-Fan.

00:47:06: da hab ich schon wieder das Gefühl, ich kann es nachvollziehen.

00:47:10: Ja, absolut.

00:47:11: Jetzt habe ich mich gefragt... Ich hab gestern noch zufällig so ein Artikel gelesen in Berlin war vor einem Monat eine Neurodiversity Pride Parade oder irgendwie sowas wie CSD aber für Neuro.

00:47:26: Spannend!

00:47:27: Und ich habe mich gefragt könnte man die Geschichte, die du in deinem Buch erzählst nicht auch als Spektrum-Geschichte erzählen?

00:47:36: und Warum machst du das nicht und wer das vielleicht sogar für den Buch mag?

00:47:41: Ganz klug gewesen, weil ja Spektrum grade ein großes Thema ist.

00:47:46: Die alle haben ADHS entdeckt.

00:47:50: Eckhardt von Hirschhausen sagt ohne mein ADHS möchte ich nicht mehr leben.

00:47:55: Manche haben es zum Beruf gemacht und manche haben eine Bühnshow zum Thema ADHS usw.

00:48:00: Es gibt Depressionstourinen, es gibt ADHS-Tournien usw.. Jetzt hab' ich mich gefragt könnte man die Innenmenschgeschichte neue Diversitätsgeschichte erzählen.

00:48:13: Stichwort Kafka mit seiner Erfahrung, ich sitze im Durchgangssimmer die Herren gehen da durchschlagen die Türen zu nie kann ich mich konzentrieren und so weiter.

00:48:22: Kavka kommt bei dir vor, so eine Ikone bei dir.

00:48:25: das Nachtarbeiten hatten wir uns vorhin darüber schon unterhalten.

00:48:29: du bist auch ne Nachtarbeiterin.

00:48:30: aber ist das nicht auch so eine Reizüberflutung Spektrums Geschichte?

00:48:35: Das ist lustigerweise ein Punkt der mir noch gar nicht so bewusst war.

00:48:38: Aber jetzt, wo du starkst ... Ja!

00:48:41: Also sicherlich wär's spannend gewesen, das damit auch noch mal zu verkaufen.

00:48:46: Ich bin ehrlicherweise nicht draufgekommen vorher.

00:48:48: Wirklich?

00:48:50: Weil es mir um diese ... Wenn dann gehts mir eine Art Temperamentdiversität eigentlich.

00:48:56: Reizverarbeitung hatte mit direkt zu tun aber ich wollte es nicht nur unter dieser Prämisse fassen weil ich schon ... den soziologischen Schwerpunkt groß machen wollte in dem Buch.

00:49:06: Ich hätte natürlich, wenn ich als Psychologe gewesen wäre, hätte man das noch mehr betonen können.

00:49:11: Das wär vielleicht auch spannend.

00:49:12: Vielleicht gibt es ja auch nochmal das Buch, was dann irgendwann aufgreift von jemand anderem.

00:49:18: Genau.

00:49:19: aber dieses Thema ... Also das Worteilmparamentdiversität ist tatsächlich mir in den Kopf gekommen weil darum geht's mir am Ende auch also dass wir einfach gesellschaftlich politisch versuchen müssen die Trimperamente ein bisschen gleichberechtigt dazu verteilen.

00:49:35: Ja, aber heißt das also vor diesem Spektrum-Konzept Hintergrund und Neurodivergenz?

00:49:48: Das ist ja so ein theoretisches Design dass Anschluss ermöglicht an identitätspolitische Positionen.

00:49:59: Und zu Beginn unseres Gesprächs hatten wir ja auch darüber geredet, dass du ein Anliegen hast und dass du einen Manifest geschrieben hast.

00:50:06: Ist das eigentlich eine vom Methodendesign ganz anders angelegte identitäzpolitische Argumentation die du hier vorlegst?

00:50:16: Und bist du eigentlich Aktivistin mit diesem Buch und dem Anliegan, zu dem du dich ja Eingangs bekannt hast?

00:50:24: Also, die Definition von Aktivist ist ja ... Da gibt's keine Allgemeingültige.

00:50:30: In dem Punkt bin ich sicherlich etwas aktivistischer als jetzt andere Autoren, wenn ich einfach nur sage, ich möchte dass diesen Menschen Respekt entgegen gebracht wird natürlich und auch Anerkennung, Wertschätzung

00:50:42: usw.,

00:50:43: aber ich bin sonst nicht weiter in diesem Bereich aktiv sondern ich wollte das Schlaglicht einmal verändern.

00:50:50: darum ging es mir.

00:50:52: ob das für Aktives schon reicht Bin ich mir nicht sicher.

00:50:54: Aber das ist sicherlich das Anliegen, aber ich wollte jetzt nicht auf einen Trend aufspringen oder eine identitätspolitische Debatte die es schon gibt weil ich glaube dass es einfach ne ganz andere ist.

00:51:06: also dies damit sicherlich verbunden.

00:51:08: aber es scheint mir doch nochmal um mehr Menschen zu gehen.

00:51:12: wenn wir sagen introvertierte sind ja dann doch deutlich mehr noch mal als menschen die jetzt meinetwegen ADHS haben.

00:51:18: Okay, das ... okay.

00:51:19: Die Zahl ist interessant, dass du sagst, ich wollte nicht auf diesen Zug aufspringen weil er sofort wieder, ich möchte lieber nicht da ist.

00:51:26: Also weiß ich nicht, vielleicht war es eine Marketingidee gewesen aber ich wollte das jetzt überhaupt nicht.

00:51:30: Ja,

00:51:30: aber es ist ein guter Idee gewesen.

00:51:32: Ich

00:51:32: hätte dich

00:51:33: gefragt.

00:51:33: Es ist interessant was du wirklich sagst.

00:51:35: Dass du den ... also dass du auf anderen Wegen gedacht hast?

00:51:38: Das finde ich gar nicht gedacht.

00:51:40: Ich sympathisiere sehr mit den anderen.

00:51:42: Auf jeden Fall!

00:51:42: Aber ich hab überhaupt nicht gedacht, dass mir das in da irgendwas bringt.

00:51:45: Ich

00:51:46: hätte gedacht, das ist eine strategische Entscheidung.

00:51:48: Die du vielleicht sogar auch mit dem Verlag oder ... Du hast auch einen Agenten?

00:51:54: Ich meine, die reden auch mit so.

00:51:56: Man geht so ein Buch

00:51:57: doch schon

00:51:58: auch ein bisschen strategisch an, oder?

00:52:01: Auf jeden Fall!

00:52:02: Aber es ging halt doch mir eher um diese sozialpolitische Sache

00:52:06: und diese

00:52:07: ...

00:52:08: Ja.

00:52:10: Hast du denn so ... Chips, so Lifehacks.

00:52:15: Also klicke jetzt ein bisschen naiv, aber es gibt eine Stelle da beziehst du dich auf Aristoteles und ich glaube das ist die nikomachische Ethik.

00:52:25: und dann geht es um Eudemony.

00:52:28: Das ist bei Aristotel so einen Begriff für nicht Glück sondern eigentlich eine bessere Vermolierung des gelingendes Leben.

00:52:35: Und das ist ein wichtiger Punkt, weil Glück etwas ist.

00:52:37: Was einem in den Schoß fällt vielleicht und gelingendes Leben ist etwas zu dem man auch was beiträgt.

00:52:43: Man kann es nicht erzwingen ein gelingenes Leben oder man kann da etwas dafür tun.

00:52:49: Ja Warum

00:52:50: spielt das eine Rolle in deinem

00:52:51: Buch?

00:52:53: Genau ich habe Aristoteles drin In dem Moment wo ich sage wer seine Zufriedenheit allein in äußeren Umständen sucht oder auch daran festmacht.

00:53:04: Der macht sich zum Sklaven der Umstände.

00:53:06: und da wollte ich noch mal darauf hinaus, also das Beispiel auch Corona hat man sehr schnell gesehen.

00:53:12: die Welt kann sich sehr schnell ändern und da versiegt dann ja auch die Quelle der Freude schnell.

00:53:19: Ich bin jetzt jemanden der sich wirklich ausschließlich durch ausgehen feiern gehen mit freundetreffen essen gehen.

00:53:25: wenn dieser ganze Hedonismus mein Hauptfreudenquelle ist Dann mach ich mich unfassbar abhängig davon.

00:53:34: Und wer dann kein inneres Fundament hat, fällt, schreibe ich im Buch und ich glaube ... Da kann man eben Aristophoiles sehr gut anbringen, der das genau gesagt hat.

00:53:44: Man darf sich nicht zum Sklaven der Umstände machen.

00:53:45: natürlich sagt er auch, dass zur Friedenheit diese drei Stufen oder die er hat also man muss auch geistlich aktiv sein aber er hat auch diesen leiblichen Genuss drin davon abhängig machen.

00:54:03: Das ist ein wichtiger Punkt, diese innere Unabhängigkeit zu bewahren, damit man allem an einem Stand halten kann, was man nicht in der Hand hat.

00:54:13: Dein Plädoyer ist eigentlich ein Leben so zu führen, dass man auch weiterleben kann, wenn Linken mal vier Wochen lang abgeschaltet wird?

00:54:20: Unbedingt!

00:54:24: Man hat auch viele Dinge nicht in der Hand.

00:54:26: Ich will nicht sagen, man soll sich zu Schicksals ergeben verhalten ... Aber es gibt einfach Dinge, Krankheiten und Schläge, die können wir nicht lenken.

00:54:35: Die haben wir, die geschehen uns.

00:54:38: Und wenn man dann aber eine gewisse ... Jetzt würde ich wieder mit Mönchler sagen, eine gewissen mürrische Interferenz dem ganzen Gegenüber pflegt.

00:54:46: Und versucht sich da jetzt nicht komplett... vor den Karren spannen zu lassen im positiven wie negativen sondern irgendwie jetzt kommen wir gleich wieder zur Storal oder so.

00:54:54: aber dass man da irgendwie versucht diese diese extremen diese extreme zu umschiffen und irgendwie versucht sondern dieses innere fundament zu haben auch übrigens allein zu sein also allein seien auch einer seine fähigkeit unglaublich wichtig ist, um authentisch zu leben.

00:55:12: Dann kann einem das viel bringen!

00:55:13: Wir müssen den Herr Frieden-Müngler noch mal ein bisschen aus Podest heben.

00:55:18: Das finde ich eine ganz tolle Formulierung.

00:55:20: Mürrische Indifferenz und vielleicht kannst du das mal bitte ein bisschen erklären?

00:55:25: Ich glaube dass es geradezu ne Bürger und Bürgerinnen tugend entzeiten wie diesen in denen wir leben oder?

00:55:32: Ja also er hat es gemeint im Kontext mit terroristischen Anschlägen.

00:55:38: Er meinte eine möglichst gelassene Reaktion der Bevölkerung auf terroristische Anschläge, deren Ziel ja ist alle in Angst und Schrecken zu versetzen und sich dem zu entziehen, dem sich dem verweigern und zu sagen ich lasse mich jetzt nicht im Panik zu versätzen obwohl es natürlich naheliegend wäre.

00:55:58: Das Ich glaube, sehr wichtig heutzutage ist eine demokratische Kardinaltugend.

00:56:05: Wo es viel immer um Schock geht und diese großen Aufreger geht.

00:56:11: Und ich übertrage das auf andere Extremsituationen.

00:56:16: Da kommt der Vorwurf, wir sollen alle kühl sein und kein Mitgefühl mehr haben.

00:56:22: Das heißt nicht!

00:56:23: Dann zielt die Haltung darauf, echtes Mitgefühlt zu schützen

00:56:27: ... Weil

00:56:29: sie es nämlich diesem Zugriff der Inszenierung entzieht.

00:56:32: Also dieses ganze Fake-Emotionen Thema ist ja gerade sehr, sehr groß weil man damit natürlich viele Klicks und Aufmerksamkeit generiert und so aber dass man sich einfach immer mal wieder fragt im Alltag wer will hier welche Reaktion von mir?

00:56:47: Und warum?

00:56:48: das ist so der Satz den ich sehr oft mit mir rum trage und dann merke ich immer Das ist einfach ein gutes Gutes Begriffspaar.

00:56:55: Um es noch konkreter zu sagen, du hast dieses Beispiel von Bataclan in Paris.

00:56:58: Es gab dieses grauenhafte Massaker mit, ich glaube, hundertzwanzig oder mehr Toten und es hat sich aber gezeigt, dass die Pariser weiterhin in die Cafés gegangen sind.

00:57:12: Das war eine Form von Widerstand gegen Terror und das, was der Terror wollte.

00:57:16: Das ist

00:57:17: wirklich mutig für mich.

00:57:18: Es hat sich dem zu widersetzen, weil es war natürlich eine unglaubliche Angst Und dann haben sie diesen Hashtag begründet.

00:57:28: Ich bin trotzdem auf der Terrasse draußen in dem Café und diese, genau diesen Widerstand, diesen Trotz gegen dieses... Sie lassen sich jetzt nicht verängstigen und ihre Kultur einschüchtern.

00:57:41: Das fand ich sehr stark.

00:57:44: Ich wollte es gerade, bevor ich noch mal zu Herr Friedmündler zurücksteuern musste von Alleinsein gesprochen.

00:57:53: Ein wichtiger Unterscheidung in deinem Buch ist die zwischen Einsamkeit und Alleinseing.

00:57:57: Kannst du das ein bisschen erläutern?

00:58:01: Genau!

00:58:01: Es wird oft verwechselt glaube ich oder auch irgendwie deckungsleicht benutzt aber ich glaube da gibt's einen wichtigen Unterschied.

00:58:07: Einsamheit ist der unerfüllte Wunsch nach näher.

00:58:12: Der nimmt auch zu in der westlichen Welt und gerade bei jungen Menschen.

00:58:15: Das ist eher ein Mangel, was wir nicht gut finden.

00:58:19: Allein sein ist der erfüllte Wunsch nach Abstand.

00:58:22: Wenn du jetzt in deiner Bahn auf Toilette bist ... In dem Fall!

00:58:27: Es ist allein sein und es ist dann eben wie das Aufatmen, dass du da endlich mal so wieder ...

00:58:31: Aber eine mehrfache Wunscherfüllung, ja.

00:58:33: Absolut!

00:58:34: Ich glaube und da kommen wir aber wieder zu diesem Verlernt allein zu sein.

00:58:38: also viele Menschen sind auch wenn sie alleine sind nicht wirklich allein weil dann ist sofort wieder das Handy an und gleich wieder auf sozialen Medien wieder im Kopf bei anderen.

00:58:47: ich glaube wenn man das verliert dass man nie allein

00:58:51: ist

00:58:52: dann verliert man wirklich die Fähigkeit authentisch zu leben weil man irgendwann gar nicht mehr unterscheiden kann.

00:58:57: Was sind meine eigenen Gedanken und die von den anderen, die ich in mich reindresche?

00:59:03: Selbst ... Stichwort auf Toilette sein.

00:59:05: Das war immer ein Moment, wo man als Mensch eine Ruhe hatte.

00:59:10: Ich glaube, dass man mit dem Handy geht ist ein neuer Kulturumstand, den ich sehr spannend finde, weil wir nie mehr lange Weile haben.

00:59:21: Der Geist wandert gar nicht mehr.

00:59:23: Man braucht aber auch für Kreativität braucht man diese lange Weile ganz stark.

00:59:29: Aber ich meine, die Römer sind ja auch kollektiv aus die Toilette gemacht.

00:59:31: Doch so diese Marmor-Benke

00:59:33: ... Ja und wohin hat das geführt?

00:59:35: Nein.

00:59:37: Es hat nach siebenhundert Jahren Weltumspannenden Imperium irgendwann, es ist in Macherunda, ja.

00:59:44: Richtig, ja!

00:59:46: Dann hätte sie sonst länger noch überlebt.

00:59:48: Wow, das ist eine steile These.

00:59:52: Die Römer bringen mich jetzt zu charismatischen Césarien.

00:59:56: Du sprichst auch über Charisma und natürlich kann man argumentieren dass Social Media in der Form von... Charakter befördert.

01:00:05: Also wir sind uns alle einig, dass Donald Trump nicht Präsident geworden wäre wenn er nicht die etablierten Medien hätte beipassen können per Twitter und so weiter haben.

01:00:15: Das habe ich mich gefragt.

01:00:17: Stimmt das?

01:00:18: Dass wir eine neue Form von Politikern und Politikerinnen haben, die eben Social Media affin sind usw.

01:00:25: könnte man so sagen?

01:00:27: und bei dir kommen auch Berlusconi vor und Boris Johnson, der sich noch mal schnell durch die Haare strubbelt damit er diesen out of the bed look keine Ahnung wie das also diesen authentischen genau look hat.

01:00:41: Das ist das eine.

01:00:42: aber dann wiederum gibt es natürlich auch gerade hier bei uns in Berlin So Bundeskanzlerinnen wie Angela Merkel, bei der sich die Presse erst so nach fünfzehn Jahren hat durchringen können ihr eine bestimmte Form von Charisma zuzuschreiben.

01:00:58: Dann Olaf Scholz, der nicht lange genug im Amt war, dass jemand irgendwie Charisma finden konnte und Merz weiß ich jetzt nicht, wie es damals Charisma bestellt ist.

01:01:07: Passt das in diese Erzählung?

01:01:09: Gibt's Ausnahmen?

01:01:10: Was sind das für Leute?

01:01:12: Also ich glaube schon ... dass wir das gerade erleben, dass sehr extrovertierte, charismatische Personen schneller nach oben kommen.

01:01:18: Das heißt also sie sind wahrscheinlicher, dass die nach oben komme.

01:01:21: Es heißt aber natürlich nicht, dass alle Politiker immer extravertiert sind.

01:01:26: Also es gibt natürlich diese Ausnahme von denen du grade sprichst, das sind dann keine Entertainer.

01:01:31: Das heisst aber nicht, auch nicht automatisch deshalb introvertiert zu sein.

01:01:35: Da müsste man jetzt mal so ein Test machen und das ist spannend.

01:01:38: Sie haben abhängig davon, welche Untermerkmale du bei Intro-Extroversion abfragst.

01:01:44: Aber klar, sie sind keine Entertainer.

01:01:46: Scholz war kein Showmensch so.

01:01:52: Wir wissen nicht, ob er nicht trotzdem ein sehr geselliger Mensch war außerhalb desken ... Mir ging es darum, dass Politik einfach ein zunehmend extrovertiertes Spielfeld ist und das kann man schon behaupten.

01:02:08: Und dass der extrovertierte Auftritt dieser Politiker auch immer stärker ist als der der übrigen Bevölkerung.

01:02:15: Also das hebt sich schon ab und neben Herkunft und Einkommen kann man sagen, es eben auch dieser Habitus eines neuen ... Polizikadels, wenn man so will.

01:02:25: Wichtig geworden der sich eben in diesen ganzen extrovertierten Auftreten auch widerspiegelt hat mir vorhin schon angesprochen.

01:02:31: aber zum Beispiel wir haben ja aus dem Jahr zwei Drittel aller Mitglieder im Bundestag aus der Oberschicht.

01:02:38: das ist schon interessant.

01:02:40: also dann dass es auch eine Habitus Verzerrung die da einfach stattfindet.

01:02:43: Die Zahlen sind total krass.

01:02:46: Würdest du sagen, dass Robert Habeck solange er noch in der Politik war und eben auch erfolgreich war sich als Innenmensch inszeniert hat?

01:02:58: Paradoxerweise in den sozialen Medien so mit seinem kleinen Flechtbänchen an dem Küchentisch mal über Heizung sprechen.

01:03:07: Und Vollverständnis haben und so rumgrübeln.

01:03:09: wie kann man jetzt irgendwie eine Erdheizung in die grünen Zentrale kriegen und so?

01:03:14: Das ist eine große Frage.

01:03:15: Ich weiß nicht, ob er sich so inszeniert oder aber tatsächlich ja wirklich so sitzt?

01:03:19: Also das wissen wir ja nicht!

01:03:20: Aber natürlich wollten sie ein Haber sein also diese Nahrbarkeit dass es sicherlich in Form gewesen die ihm da auch Punkte eingebracht hat sich da abzusetzen von diesen ganzen abgehobenen Politikgedöns.

01:03:36: Ich kann das nicht einschätzen, ob er intro oder extrovertiert ist.

01:03:38: Diese Frage kommt sehr oft lustigerweise, dass ich Robert Habeck einschätzen soll und ... Nee, nee!

01:03:42: War nicht die Frage, ob der so oder so ist?

01:03:45: Also, die Frage ist, ob es eher ... Ich weiß nicht wie Robert Haveck ist.

01:03:48: Ja.

01:03:48: Es kann

01:03:49: schon sein, dass er intro- also, dass sich so ...

01:03:52: Die Frage ist die Inszenierung.

01:03:53: Also die Frage, es gab eine riesige Diskussion.

01:03:56: Es gab irgendwie so ne neue Kampagne ... Das war diese Küchentischkampagne, wo er mit zum Grobstrick-Küstenpolis saß und gegrübelt und gezweifelt hat.

01:04:05: Kann

01:04:05: schon

01:04:05: sein!

01:04:07: Meine Wahrnehmung war, dass das ne strategische Entscheidung war.

01:04:11: Dass bestimmt etwas in seinem Wesen in die Richtung geht.

01:04:13: Er hat freiwillig Bücher geschrieben oder selber geschrieben im Unterschied zu anderen Politikern.

01:04:18: Er ist schon eher ein Mensch als ein Außenmensch.

01:04:20: sicherlich Das kann schon sein.

01:04:23: Aber wenn das so wäre, dass sie es inszeniert haben dafür ... Muss man sagen, war's ja erfolgreich?

01:04:27: Weil er wirklich dadurch ... also erwirkte er sympathischer auf die

01:04:32: Deutschen bei vielen.

01:04:35: Bei vielen!

01:04:35: Unabhängig von dem politischen Errungenschaften.

01:04:38: Aber das nächste Thema sind wir wieder bei der Inszenierung.

01:04:41: Ich würde mir mal wünschen, dass wir auch als Wähler viel stärker auf die Wahlprogramme gucken und nicht nur an den Personen hängenbleiben.

01:04:47: Und das ist eine große ... eine große Problematik unserer Zeit, dass wir auch mit Colin Crouch gesprochen haben.

01:04:54: Wenn man jetzt sagt, wir sind auf dem Weg eine Postdemokratie die sich daran zeigt das wird zu sehr auf die Personen immer achten und so sehr auf diesen ganzen dieses ganze drum herum statt mal wirklich wieder auf die Politik zu gucken würde ich gerne mal wegkommen von diesem dass wir immer nur auf die Politiker so sehr achten oder mehr auf die Parteiprogramme.

01:05:13: Das war richtig so.

01:05:13: eine zierische Intervention an meiner Adresse.

01:05:16: Ich wollte noch rumsitzen mit Habeck am Küchenpisch und du sagst, lass es mal wegkommen,

01:05:20: wir müssen

01:05:20: mal in die Programme gucken!

01:05:22: Also ich ... Ja?

01:05:23: Das

01:05:23: ganze wieder Aggression gegen mich

01:05:25: fühlen... Ein paar Mal bin ich ja schon wieder zurückgetreten.

01:05:29: Nein, keine Aggression im bösen Sinne.

01:05:32: Es ist ein bisschen agonal aber ...

01:05:34: Aber du vielleicht war's auch nur sein Unterkiefer weißt

01:05:37: Du?!

01:05:38: Das ist ja auch noch ein Punkt.

01:05:39: Wir waren schon beim Tyrannosaurus und bei den Tiefern, jetzt sind wir beim Haber-Tiefer.

01:05:45: Nein aber das ist auch so.

01:05:46: was ein Beispiel.

01:05:48: Da stelle ich immer die Nackenhaare bei einem auf finde ich wenn man das so liest.

01:05:51: Also dass wirklich Wähler verbinden bestimmte physische Merkmale von Politikern mit Kompetenz konnte man nachweisen.

01:05:58: Todorov war der so einen ganz wichtiger Forscher dazu.

01:06:01: Menschen halten sowohl männliche als auch weibliche Gesichter mit einem breiten Unterkiefer für Durchsetzungsstärke, vor allem in Krisenzeiten.

01:06:09: Das ist mein Lieblings-Einschub dazu!

01:06:11: Weil das ja bedeutet dass wenn man nicht in Krisenthalten wäre, man deutlich andere Politiker bevorzugen würde.

01:06:19: Genau aber das.

01:06:21: wahrscheinlich signalisiert das irgendwie Dominanz

01:06:24: oder so.

01:06:26: Wenn man das so liest denkt man sich auch absurd.

01:06:28: also Man könnte das jetzt belächeln, wenn es nicht so ausschlaggeben wäre.

01:06:32: Also man konnte damit mit diesem Unterkiefermerkmal wirklich besser vorhersagen, welcher Politiker gewählt wird als gemessen am Ballprogramm und das ist für mich wirklich krass!

01:06:42: Ja ich glaube da sagst du im Buch Leute Lest das noch mal oder irgendwie so wird es das nochmal sagen, weil das so krass ist.

01:06:48: Also wenn man Politikern aufs Maul schaut dann kommt es sagst du der empirischen Forschung zufolge weniger darauf an was rauskommt an Worten sondern wie der Kiefer gefreundet ist.

01:06:59: Das

01:06:59: macht mir dann schon Angst also natürlich bei Wählern die sich jetzt sonst nicht so sehr politisch mit diesen Inhalten beschäftigen und deswegen sage ich immer wieder wir sollten da irgendwie da wieder mehr hinkommen.

01:07:10: aber das moment ist die welt ja eher anders herum aufgebaut.

01:07:14: Es hat anstrengend.

01:07:15: also wir tragen jetzt ein bisschen dazu bei dieses kieferproblem etwas zu lösen weil wenn man es weiß man vielleicht mal drauf achtet und sich davon kritisch irgendwie distanzieren kann.

01:07:27: aber ich.

01:07:28: Ich komm noch nicht von diesem Habe-Küchentisch weg.

01:07:32: Du hast gesagt, es hat ihm was gebracht und alle waren sympathisch und so weiß ich nicht.

01:07:36: Es gab auch Leute, die sich da unglaublich drüber aufgeregt haben?

01:07:40: Genau, ich kann dir nicht sagen ob es danach an Sympathie nach oben oder unten ging.

01:07:44: Das kann ich nicht sagen.

01:07:44: Ich weiß nur dass er mit dieser ganzen vermeintlich authentischen

01:07:48: Art ...

01:07:49: Ich

01:07:49: glaube, die Kampagne hat funktioniert.

01:07:50: Es gab ja auch schon diese Coney-Bilder auf Instagram, wo er sich unter diese Pferde gelegt hat.

01:07:56: Ich glaub mit Daniel Günther war er wandern irgendwo in Norddeutschland und hat sich unter Wildpferden gelegt.

01:08:01: Das ist aber sehr groß besprochen worden oder kritisch besprochen geworden.

01:08:05: Ja!

01:08:06: Ich wollte auf den Punkt hinaus das Habeck ja irgendwie keinen Erfolg hatte.

01:08:10: Also erstens wurde er nicht Kanzlerkandidat, das ist das eine, zweitens sind die Grünen weg vom Fenster.

01:08:17: Und da hieß es dann ja immer mit feministischer Außenpolitik und männlichen Selbstzweifeln, Achtsamkeit- und Küchentischgesprächen im Grobstrickpoli kann man spätestens nicht mehr weiter als Putin die Ukraine überfallen hat.

01:08:34: Da brauchte man Politiker ohne Zweife!

01:08:37: Ist das ein Argument?

01:08:38: Ist das eigentlich ein Argumente für dich, dass in Krisenzeiten starke Männer...

01:08:45: Also dieses vermeintlich nie Zweifeln dürfen, wird von Wählern nicht so gutiert.

01:08:51: Das wird zu schnell mit Schwäche gleichgesetzt leider weil ich glaube im Zweifel liegt sehr viel Wichtiges und auch in der Kommunikation des Zweifels.

01:09:02: Aber wahrscheinlich sind wir jetzt gerade wieder da an dieser Krisenzeit angekommen dass das dann mit Schwächen gleich gesetzt wird.

01:09:09: Man möchte die starken, die vermeintlich starken.

01:09:13: Ich glaube, Friedrich Merz ist jemand, der darauf achtet nie Fehler zuzugeben sich irgendwo zu entschuldigen oder so einfach genau aus diesem Grund, dass das als vermeintlig schwach abgetan wird.

01:09:25: Immerhin geht es zum Parteitag bis man gewählt wird

01:09:28: und ... Das funktioniert sieht man ja gerade.

01:09:31: Wie lange sich jetzt hält ist die Frage?

01:09:32: Ja, ja, das ist auch eine Frage.

01:09:38: Politik haben wir ein bisschen abgehandelt.

01:09:43: Ich hätte noch eine Frage, die mich interessiert also du.

01:09:48: Nein ich hab mal ganz viele... Okay Dante!

01:09:53: Zwischendurch bist Du Dante in deinem Buch?

01:09:56: So oder...?

01:09:57: Also, es gibt diese ... Das ist gar nicht markiert irgendwie.

01:10:03: Es gibt die göttliche Komödie und da wandert Vergil mit Führer durch die Höllenkreise, kommt immer weiter nach unten und man sieht diese und jene verdammten zwischendurch... Wann hast du da mit auf einmal?

01:10:20: Und ist das so ein Fake-Dante, so eine Dante-Imitation.

01:10:24: Was ist denn das?

01:10:25: Das erklärst du ja niemandem.

01:10:27: Checken das die Leserinnen und Lesern?

01:10:28: Ja, doch!

01:10:30: Ich wollte die moderne Arbeitswelt für innen sich oft wie einen Höhenkreis anfühlen, wenn man eben andauert im Meetingssitz oder Zoom-Calls und irgendwelche Präsentationen.

01:10:40: Es kommt immer zu keinem Ergebnis.

01:10:42: Das habe ich einmal als Endante ins Höllenkreis aufgeschrieben ...

01:10:47: Immer wieder, ein paar Mal.

01:10:48: Ich fühle mich sogar

01:10:49: auch die Sprachlericht und so.

01:10:51: Genau!

01:10:52: Und es hat einen großen Spaß gemacht, das immer zukunft... Also gegenüberzustellen weil es ist ja im Endeffekt die moderne Hölle für viele Menschen.

01:10:58: Sogar verextrovertierte oft.

01:11:00: Ja.

01:11:00: Und genau.

01:11:02: Und haben die deine Elektoren nicht gesagt?

01:11:03: Ne, Juliane, das musst du mal erklären.

01:11:07: Nee, das war glaube ich so selbsterklärend.

01:11:09: Ich hab's ja kurz eingeführt am Anfang.

01:11:11: Die moderne Arbeitswelt ist die Hölle.

01:11:15: Du hast

01:11:16: so eine Zoom-Hass, das artikulierst du auch entsprechend.

01:11:23: Aber es gibt auch so ne Stelle Großraumbüro.

01:11:26: Magst du nicht so gerne?

01:11:27: Dann gibts eine Stelle.

01:11:29: Eine Kollegin beißt in einer Rohrpaprika als wäre sie ein Apfel.

01:11:32: einfach so!

01:11:34: Und habe ich mich erst gefragt, wäre es eigentlich besser gewesen, wenn sie einen Apfelgebissen hätte?

01:11:38: Und zur Erinnerung vor diesem Gespräch haben wir beide noch ein Äpfel gebissen.

01:11:41: Einfach so, möchte ich sagen.

01:11:43: Also erstens ist Paprika schlimmer als Apfel und zweitens warum darf man im Büro um zehn Uhr, sieben, vierzig nicht einfach an so'n Apfel beißen?

01:11:48: oder was ist falsch daran?

01:11:51: Das ist jetzt schwierig also...

01:11:54: Ich

01:11:55: habe nichts gegen Leute die in den Paprikas und Äpfeln beißen aber es geht darum Dass wir in Großraumbüros einfach diesen ganzen Lautstärkepegel der anderen Menschen so enorm ausgesetzt sind, schutzlos möchte ich was behaupten.

01:12:10: Und dieses Thema dass es auch andauernd immer diese Möglichkeit auf Smalltalk gibt das lauert immer so und das ist das was sich bei vielen Introvertierten beobachtet habe.

01:12:21: der größte Stressfaktor ist was Großraum Büros dann einfach für sie so ineffizient macht dass wir wieder immer allein sein und alleine arbeiten können.

01:12:32: Auch diese Frage der Konzentration, wie tief kannst du denn überhaupt reingehen in deine Arbeit?

01:12:37: Wenn du dann ständig die Paprikas hören musst.

01:12:40: Ich will gar nicht mich ausnehmen!

01:12:41: Ich war auch mal in der Bibliothek und wollte dann ... ich konnte mich früher immer nur gut konzentrieren wenn ich gekaut habe an so Möhren oder so.

01:12:49: Du kannst das aber nicht in einer Bibliothek essen.

01:12:50: Das geht nicht.

01:12:51: alle hassen dich zurecht.

01:12:54: Deswegen bin ich ein großer Fan des Zuhause-Arbeitens geworden.

01:12:57: Ja, ich glaub es geht um Dezents.

01:12:58: Und du sagst ja auch so viel zu viele Informationen und erwünschte Informationen in Zoom-Hintergründe.

01:13:04: also man sieht diese schrecklichen Billys und die Bücher stehen oder lieben quer und man fragt sich wie haben wir ihre Bücher korratiert?

01:13:10: bilden sie sich was darauf ein dass Sie irgendwie Helm und Luten da haben?

01:13:13: Oder hängt er von Goch an der Wand wie bei Ikea und so?

01:13:18: Das ist manchmal schwer auszuhalten.

01:13:19: Also ich verstehe das Aber ich habe mich gedacht gibt's dann nicht auch eine Passivaggression Von mir

01:13:28: Bestimmt.

01:13:30: Ich hatte jetzt Sorge, dass es ... Okay also ich teile diese Passivakgression auf jeden Fall.

01:13:40: Immer wieder kommst du

01:13:44: auf

01:13:44: Kunst zu sprechen und zwar Munk- und Kaspar David Friedrich sind bei dir wichtig ja?

01:13:50: Und da geht es irgendwie um Bilder.

01:13:54: sprich sie über den Schrei.

01:13:55: das bleibt fast nicht aus beim Munk aber bei Kaspar eben auch.

01:13:59: Es war ein Innenmensch, er hatte keinen beruflichen Erfolg also kein finanziellen Erfolg.

01:14:03: Er hat trotzdem jahrzehntelang das gemalt.

01:14:04: was er gemalt hatten ist erst sehr spät erkannt worden als einer der großartigsten Künstler überhaupt obwohl Kleist es schon sehr früh am Mönchermäher gesehen hat.

01:14:16: Es gibt eine Stelle, wo es um den Wunsch geht, den du beschreibst im Bild zu verschwinden und aufzugehen.

01:14:24: Also es gibt diese berühmten Rückenfiguren von Casper David Friedrich, den Wanderer über dem Nebelmeer ... Über den habe ich auch mal nachgedacht und so eine Tierie entwickelt das ja eigentlich über die Wolken weitermarschieren möchte, wo der Berg zur Ende ist.

01:14:38: Was ist das für ein Wunsch, im Bild oder irgendwie in der Welt aufzugehen?

01:14:43: Zu verschwinden.

01:14:45: Ist das eine Allverschmelzungs-Fantasie?

01:14:49: Ist es so ein bisschen buddhistisch?

01:14:51: Ist das ne Suizidale-Fantasie?

01:14:54: Welche Rolle spielt die in deinem Buch?

01:14:56: Ja, interessant!

01:14:57: Ich bin gespannt, dass du sagst, es könnte auch ne suizidane Fantasie sein.

01:15:04: Mir ging's ... eher um diese Ich-Auflösung in dem Fall.

01:15:10: Oder darum geht es wahrscheinlich auch, also dieses Thema man verliert sich irgendwie und ist dann so verbunden mit der Sache.

01:15:20: Das will ich gar nicht groß bewerten in irgendeiner Form.

01:15:26: Ich glaube, ich hatte deswegen Friedrich und Munk dabei.

01:15:30: Weil mir wichtig war, dass diese innere Kraft aus denen beide schöpfen oder die sie auch thematisieren.

01:15:36: Dass das nicht immer Romantik sein muss weil also Friedrich hat ja die Stille der Innerlichkeit gemalt kann man schon sagen.

01:15:43: aber Munk hat auch nochmal einen anderen Blickwinkel.

01:15:46: er hat eigentlich so was den Aufrohr gezeigt den Riss in den Dingen kann man sagen Gewaltvolles sogar.

01:15:54: Er hat ja auch den Tod oft thematisiert und deswegen, glaube ich, sind das zwei Extreme derselben Blickrichtung.

01:16:01: also beide gehen nach innen aber der eine guckt eher auf den weiten Himmel und der andere eben zu diesen abgründigen in den Dingen.

01:16:13: und beide zeigen die großen Bewegungen in der Kunst entstehen erst mal daraus dass sie aus der Tiefe kommen Und das fand ich spannend.

01:16:22: Dass es aber nicht heißen muss, dass es immer eine Stoßrichtung ist und sie kann völlig unterschiedlich sein.

01:16:26: Der eine hat dieses fast Zagrale und der andere so was Fast-Erdiges.

01:16:31: Ist es für den Menschen schwieriger, das eigene Ich beieinander zu halten?

01:16:35: Zusammenzuhalten, sodass man eigentlich den Wunsch umso besser verstehen kann, es auch mal fahren zu lassen also so Gürtel sich aufzugeben ist Genuss

01:16:44: Verspannende gute Frage.

01:16:46: vielleicht würde ich fast denken ja

01:16:49: okay zwei Abschlussfragen, Nietzsche und Divorst.

01:16:54: Und das Dynamiet.

01:16:55: Also wir haben Dante und Zoom und wir haben Nietzsch und Worst.

01:16:59: Das sind so ganz bisschen kontraintuitive Zusammenstellungen...

01:17:03: Ja, ihr wollt doch einen O-Ton oder?

01:17:06: Ich dachte ich lese das kurz mal.

01:17:08: Die Wurst!

01:17:08: Ja,

01:17:09: das ist nämlich auch mein eigenes Favorite tatsächlich.

01:17:12: Hast

01:17:12: du selber ausgesucht die Wurst?

01:17:13: Guck mal dann ... Dann konvegieren wir hier in dieser Gesprächsdynamik.

01:17:19: Ich fand es so herrlich, als ich's rausgefunden habe.

01:17:21: Deswegen dachte ich, ich lese jetzt mal kurz, weil das so schön absurd ist!

01:17:29: Friedrich Nietzsche lebte sein bevorzugtes Alleinsein auf eigene Weise.

01:17:33: Er nannte es Pathos der Distanz oder Azurne Einsamkeit was die Gletscher des Meer und den Himmel beschreibt.

01:17:41: Stundenlang wanderte er ins Blaue natürlich allein.

01:17:44: Doch er war nicht nur Philosoph, sondern auch Mensch mit Magen.

01:17:48: Die Größe seines Rückzugs kulminiert in einer höchst irdischen Fußnote profan und gerade darin gnadenlos.

01:17:56: Man muss ihn sich im schweizerischen Sils-Maria vorstellen hoch an den Bergen, schweigend denkend körperlich schwach windgepeitscht – Mit der Wagenhoffnung auf eine brauchbare Wurstsendung aus Naumburg Denn während er den Übermenschen entwarf, schaltete er regelmäßig an den Sendungen schlechter Würste aus Basel.

01:18:16: Auch Zürich enttäuschte – Sankt Gallen sowieso!

01:18:20: Es blieb nur die Mutter Franziska allein zuständig für die metaphysische Konstanz in Wurstform.

01:18:26: Er rang also nicht nur mit dem Übermenschan sondern auch mit der Unterversorgung.

01:18:31: Wer annimmt der Philosoph habe ausschließlich von der Lectüre antiker Texte gelebt, hat nie sein Briefwechsel gelesen.

01:18:38: Dort entfaltet sich mit der Ernsthaftigkeit eines gescheiterten Gottes ein Drama um Lachs Schinkenwurst.

01:18:44: Vier Monate geistige Extase werden gedeckelt durch zwölf Pfund Fleischware.

01:18:50: Über fünfzigmal geht es in Nietzsche's Briefen um Wurst und Schinken.

01:18:55: Er schreibt seiner Mutter unter Drehenden der Verdauung, sie möge unter allen Umständen den richtigen Schinken besorgen.

01:19:01: Denn der Basler-Aufschnitt habe ihn mit allerhand Verdruss und Enttäuschung zurückgelassen.

01:19:06: In einem Brief aus dem Jahr eightundachtzig entfaltet sich dieses Drama.

01:19:11: Ich bin mit der kleinen Wurst fertig.

01:19:13: Sie war zu trocken wegen ihrer Kleinheit.

01:19:16: Die größere ist besser doch lange nicht so gut wie die dicke Rundewurst vom letzten Jahre.

01:19:22: Hier geht es nicht um Aufschnitt sondern um Weltordnung Die dicke Runde Wurst, das verlorene Paradies.

01:19:29: Die Wurst als Utopie eines Zustands in dem alles einmal stimmte!

01:19:33: Die dickel runde Wurst vom letzten Jahre – man könnte sagen ein zentraler Mythos und Nietzsche spätwerk.

01:19:39: Ihr Status ist vergleichbar mit Beethovens unvollendeter Symphonie nur mit mehr Fettanteil.

01:19:44: Aber in Wahrheit war die Fleischfrage für ihn keine Nebensache.

01:19:48: Sie war ganz im Sinne des dionysischen eine Metaphysische.

01:19:52: Was ist der Sinn des Lebens, wenn nicht eine einigermaßen bekömmliche, nicht zu trockene Abendmahlzeit?

01:19:59: Darin steckt eine monumentale Aufrichtigkeit wie Gott, der gerade Himmel und Erde formt.

01:20:06: Er sagt so ja Licht, Sterne oder Ozeane.

01:20:10: aber könnte mir jetzt jemand die gute Wurst bringen – die runde Dicke!

01:20:13: Die vom letzten Jahr Die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts schwankt also nicht nur zwischen Apulinisch und Dionysisch, sondern auch zwischen Fettgehalt und Transportschäden.

01:20:26: Hegel hoffte auf die Eule, die erst mit einbrechender Dämmerung ihren Flug beginnt – Nietzsche hingegen wartete auf das Paket mit der guten Wurst.

01:20:35: Vielleicht war es diese Erkenntnis dass einen zu trockener Aufschnitt das Denken lehmt, die ihn an den Rand des Wahnsinns brachte Nicht die Abwesenheit Gottes, sondern die AbWesenheit der Wurst.

01:20:48: Vielen Dank!

01:20:49: Wir sind nicht nur Dynamit, wir sind auch Wurst – es ist ein ganz bisschen ... Oder auf die Wurst am Ende hat mich etwas überrascht.

01:21:00: Aber wenn ich das Lesen höre, habe ich gedacht an so ... Sagen wir mal, linkes Slogans.

01:21:07: Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moralbrecht.

01:21:12: Also ist das ein Plädoyer für ein einfaches gutes Leben?

01:21:19: Ja so weit würde ich gar nicht gehen!

01:21:20: Ich wollte einfach nur diese wunderbare menschliche Apostolität des großen Niedsche zeigen, den man ja überhaupt nicht wahrnimmt finde ich oft.

01:21:32: Das einmal so zu brechen fand ich einfach sehr, sehr schön.

01:21:35: Dass er sich da in seinem Rückzug mit diesen irdischen Themen beschäftigt hat mich sehr amüsiert.

01:21:41: Okay und im Buch ist es so.

01:21:42: also es gibt erst noch so ein Wurstrückzug.

01:21:45: das ist eine relativ lange Stelle die du gelesen hast.

01:21:48: und dann gibts nochmal dieses Finale Furioso wo du nochmal Feuer an die Lunte legst vielleicht Kannst du das zum Abschluss sagen, was am Ende des Buches du noch mal sagst.

01:22:04: Wie ist ein Dynamit?

01:22:05: Was ist das für einen Dynamit um das es dir geht?

01:22:08: und magst du jetzt hier wie gesagt das Feuer entfrachen?

01:22:13: Also am Ende, eigentlich muss man noch mal sagen kurz davor geht es ja noch um die vier Reiter.

01:22:18: Die großen Fähigkeiten der Innenmensch.

01:22:19: Aber ich will jetzt gar nicht nochmal groß ... aber ich muss sie noch mal kurz nennen.

01:22:22: Gegen die vier reiter der Apokalypse sind quasi die vierreiter der Inwelt, die uns alle erhetten können glaube ich.

01:22:29: Wenn wir Sie dann liessen das sind einmal Reflexion, Autonomie, Diplomatie und Kreativität.

01:22:36: Das sind vier große Fähigkeiten, die wir alle haben bei Innenmenschen ein wenig ausgeprägte sind als bei Außenmenschen.

01:22:47: Was nicht heißt, dass das nicht immer so ist?

01:22:49: Aber genau und darauf endlich so ein bisschen, dass wir diese Fähigkeiten brauchen und gerade in der Zeit, in der wir gerade leben, in dieser Polikrise, wie man immer so schön sagt, dass weder Selbstinszenierung noch Dauerempehrung uns helfen sondern Menschen Wir Menschen brauchen deren kühlen Kopfbewahren, die kritisch denken.

01:23:09: Die langfristig entscheiden können und dass wir aber uns fragen sollten glaube ich was wir heute mit Stärke gleichsetzen weil wir im Moment die Öffentlichkeit eben lautstärker und Sichtbarkeit so viel stärker belohnt und dann aber das den Umstand hat dass sich sehr viele Kluge ruhige Menschen zurückziehen, weil sie keine Lust mehr darauf haben sich mit dieser Öffentlichkeit so auseinanderzusetzen.

01:23:38: Und ich glaube da steuern wir einfach auf eine ganz gefährliche Schieflage hin wenn wir diese innen Menschen auch aus der politischen Öffentlichkeit verlieren.

01:23:46: und genau deswegen nochmal auf die Fähigkeiten also dieses Skepsis die Sie haben auch meine gewisse kritische Distanz dass das Fähigkeiten sind die wir brauchen und dann endlich irgendwie auf dem Dynamiet damit beginne ich ja auch.

01:23:59: aber Das Dynamit als etwas, das sich lange aufstaut.

01:24:07: Verdichtet bis es irgendwann dann ... das ganze Verhältnis ändert.

01:24:12: und genau das konzentrierte Potenzial an der Inwelt, was ich schon beschrieben habe.

01:24:17: aber ich glaube eben dass innen Menschen oft diese unsichtbare Verdichtung haben ihn sich in ihren Gedanken in dem was sie tragen was andere oft nicht sehen.

01:24:27: Dass etwas da eben in der Tiefe brodelt, gerte wie man auch will.

01:24:32: Bis irgendwann der Moment kommt an dem sich das ganze Verhältnis verschiebt.

01:24:37: und deswegen habe ich auch noch am Ende Alfred Nobel nochmal drin als Erfinder des Dynamis, der lustigerweise ein total introvertierter Mensch war also wirklich einen völlig zurückgezogener Mensch, der ganz viele Patente angemeldet hat.

01:24:50: Der hatte auch nie Frau und Kind aber er war ein totaler Tüftler, Nerd, wie man sie sich vorstellt Und dass Dernung grad das Dynamit davon hat, fand ich einfach genial.

01:25:01: Das musste noch mal so rein und genau.

01:25:06: Vielen Dank, Juliane!

01:25:06: Ich wünsche mir, dass du mit deinem Manifest- und Plädoyer für die Innenmenschen, was du hier heute entwickelt hast gehört wirst.

01:25:15: Ich wünsch dir, damit das Buch ein großer Erfolg wird und sich sehr gut verkauft aber eben auch gelesen wird und damit deine Botschaft gehört wird.

01:25:25: Ja?

01:25:25: Und das wünsche ich mir für uns alle.

01:25:28: Wäre wichtig für die Welt, in der wir lieben.

01:25:30: Vielen Dank.

01:25:31: Danke

01:25:32: sehr.

01:25:33: Bis bald!

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